Sonntag, 4. November 2012

Diebesgeschichten





Vor einigen Wochen wurde der Friede den wir ueber viele Jahre in Kijabe hatten ploetzlich gestoert. Eines nachmittags kam ich vom Krankenhaus nach Hause wollte mir etwas zu Essen machen hatte aber das Gefuehl dass etwas nicht so war wie es immer war. Es war keiner zuhause. Die Kinder waren in der Schule, Doerte war zu einem Seminar unterwegs und die Frau die sonst etwas hilft war an diesem Tag nicht da, weil sie ihren Sohn zur Schule bringen wollte.
Als ich so an meinem Essen sass wurde das Gefuehl staerker dass etwas anders war als sonst und ich stand auf und bin ins Schlafzimmer und fand den ganzen Rest der Wohnung voellig im Chaos. Schubladen waren herausgezogen und ihr ganzer Inhalt war umhergestreut. Geldbeutel waren geoeffnet und alles kenianische Bargeld war gestohlen. Interessanterweise waren Euros und Dollars nicht beruehrt worden. Kameras und Telefone wurden ebenfalls mitgenommen und ein schooner Rucksack von Joas Benjamin war ebenfalls mitgenommen worden, wahrscheinlich um das Diebesgut mitzunehmen. Das kurioseste an der ganzen Geschichte war dass der Dieb sich in Joas Benjamins Zimmer umgezogen hat, seine eigenen Sachen dort zurueckgelassen hat und sich von J.B.’s Sachen neu eingekleidet hatte.
Natuerlich habe ich dann gleich die Sicherheitsleute vom Krankenhaus angerufen und dann etwas spaeter die Polizei. Allerdings hatten wir etws gezoegert ob oder ob nicht die Polizei einzuschalten. Letztlich bin ich dann noch zur Polizeistation und habe Anzeige erstattet. Die Polizei bat mich dann doch mit meinem Auto vorbeizukommen um sie abzuholen weil sie kein Auto haben. Natuerlich habe ich das gemacht, man hat sich die Szene angeschaut und vage Hoffnungen gemacht dass der Dieb erwischt werden wuerde.
Eine Weile tat sich dann gar nichts bis ich dann einen Anruf von der Polizei erhielt mit der Nachricht dass der Dieb gefasst worden waere. Ich habe mich aufgemacht und bin zur Wache um dem Dieb gegenueber zustehen. Er berichtete genau wie er in das Haus kam, und zwar hat er sich durch die Gitterstaebe des Schlafzimmerfensters gequetscht. Bis heute ist es mir ein Raetsel wie ein 17 jaehriger sich so duenn machen kann dass er da durchpasst. (Die Gitter sind 21cm x 27cm). Weiter hat er minutioes genau aufgezaehlt was er alles mitgenommen hat und wie die Tat herging. Danach haben wir innerlich einen Schlusstrich gezogen im Glauben dass damit alles seine Ordnung haben wird und der Junge im Knast zumindest etwas ueber seine Tat nachdenken kann. Alles was er mitgenommen hat, hat er gleich an der  naechsten Hauptstrasse zu Geld gemacht. Videokamera und dergleichen sind schon schmerzhafte Verluste.
Wenig spaeter allerdings ging die Dieberei auf der ganzen Station weiter und zwar noch dreister als zuvor. Mehrere Haeuser wurden auf die gleiche Weise betroffen und viele wertvolle Dinge entwendet. Man hat echt ueberlegt ob man die Haeuser noch alleine lassen kann. Wenig spaeter stellte sich heraus dass der gleiche Dieb der mir seine Geschichte so schoen erzaehlt hat aus der Polizeihaft entwischt war und froehlich weitergemacht hat. Wenig spaeter wurde er wieder verhaftet und hoffentlich etwas sicherer verwahrt.  Er selber hat es ueberlebt, waehrend sein eigener Bruder der beim Gemueseklauen erwischt wurde bei lebendigem Leibe vom mob gelyncht wurde und mit einem Reifen ueber dem Koerper verbrannt wurde.
Ein trauriges Ende fuer eine Familie, der Vater wurde nicht lange vorher von der Polizei erschossen, der Bruder gelyncht und nun sitzt der naechste erst mal wohl fuer etwas laengere Zeit im Knast. So weit zum unserem Thema: Diebesgeschichten

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