Donnerstag, 4. Februar 2016

Schmerz und Liebe - wie passen diese beiden zusammen?


Die Infektion an Dörtes Bein hatte inzwischen derartige Ausmasse angenommen, wir durften nicht mehr lange warten.
Was, so wie wir meinen, mit einem harmlosen Mückenstich anfing, (es kann auch ein Spinnenstich gewesen sein) hat sich zu einer richtig fetten Entzündung, mehr als handflächengross und tiefrot, heiss und extrem schmerzhaft, entwickelt.
Warum haben wir bloss so lange gewartet? Wie konnten wir nur glauben, dass das schon wieder von selber vergeht? Inzwischen sollten wir klüger sein! Erst als der Schmerz unerträglich wird, und selbst ich es merke, hole ich die Ärztin, eine Teamkollegin und direkte Nachbarin, dass sie mal draufschaut. Dann kommt was kommen muss. Zuerst verordnet sie strikte Bettruhe, schickt mich nachts noch los um sofort Penicillin und Schmerzmedikamente zu holen. Dem Herrn sei Dank dass die Apotheke noch offen hat und auch wirklich alles da hat.
Die Behandlung kann beginnen, schlägt auch an. Aber der Eiterherd muss angegangen werden. Nach einiger Zeit schickt mich Dr. Calustra aus Bolivien wieder los um Verbandsmaterial zu holen. Sie bringt ihre Instrumente und sowohl ich als auch Dörte wissen, es wird weh tun. Wir wissen aber auch dass sie Dörte liebhat und ihr nicht aus Bosheit Schmerzen zufügen wird. Der Dreck muss raus damit Heilung einsetzen kann.
Gestern im Büro unserer Partnermission: Ich sitze zusammen mit A. ein junger Mann, Anfang 30. Wir haben eine lange gemeinsame Geschichte. Sie fing vor über 10 Jahren in Wajir an. Damals in den kühlen Abendstunden kamen die Giraffen bis hinters Haus. Zusammen mit den Kindern beobachtete ich wie die  Giraffen mit ihren langen Zungen die Blätter von den extrem stacheligen Zweigen der Akazie herunterziehen. Der traurig und heruntergerissene junge Mann nicht weit von uns schien genau das gleiche zu tun. Wir wurden Freunde, er wurde von einer langen Krankheit geheilt, nahm wenig später Jesus in sein Herz auf, fing an ihm nachzufolgen. Nicht alles verlief danach super. Er musste seine Heimat verlassen aufgrund seines Bekenntnisses. Er kam in die Stadt nach Nairobi, geriet in schlechte Gesellschaft, fing an zu trinken. Der ganze furchtbare Kreislauf von Abhängigkeit und dessen Folgen wurden immer klarer. Isolation, mehr Verzweiflung, kein Job, kein Geld. Ein Teufelskreis.
Wenige Tage nach meiner Rückkehr nach Kenia rief er an: „Hey Dad, können wir reden? Können wir die Fäden wieder aufnehmen, kannst Du mit mir weitermachen? Kannst Du mir vergeben?“ Es dauerte nicht lange und wir haben uns weinend in den Armen gelegen und einander vergeben. Das war der Anfang.
Gestern kam die Schere bzw. Skalpell. Bei Dörte war es der schmerzhafte Eingriff, das Eröffnen des Eiterherdes. Der Dreck fing an zu fliessen, und jeder weiss dass das der Weg ist, der zur Heilung führt.
Bei ihm war es die Konfrontation mit harter, schmerzhafter Wahrheit, gepaart mit der liebevollen Zuwendung die durch das Wort Gottes kommt. Wundervolle Zusagen wie die aus dem 5. Mosebuch im vierten Kapitel, Vers 29: „Wenn Du aber von dort den Herrn, Deinen Gott, suchen wirst, so wirst Du ihn finden, ja, wenn Du ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele suchen wirst.“ Worte wie diese haben das Potential ihn wieder zurechtzubringen. So wie Dörte die liebevolle Hand der Ärztin zulassen musste um wieder gesund zu werden muss auch er es zulassen. Ich musste mit allen Mitteln an dem festhalten was ich mit Gott ausgemacht hatte. Kein Geld, unter keinen Umständen darfst Du ihm Geld geben. Das wird den Kreislauf der Abhängigkeit nur stärken. Ich entliess ihn nach einer prayer session in die starke Hand Gottes, nur um jetzt mit ihm regelmässig zusammen seine Probleme anzugehen.

Gott ist ein Gott der heilt, darauf vertrauen wir. 
In Verbindung mit der Geschichte von A. ist hier noch etwas Lesematerial das zum Beten anleiten kann:


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