Die
Infektion an Dörtes Bein hatte inzwischen derartige Ausmasse angenommen, wir durften nicht mehr lange warten.
Was,
so wie wir meinen, mit einem harmlosen Mückenstich anfing, (es kann auch ein
Spinnenstich gewesen sein) hat sich zu einer richtig fetten Entzündung, mehr
als handflächengross und tiefrot, heiss und extrem schmerzhaft, entwickelt.
Warum
haben wir bloss so lange gewartet? Wie konnten wir nur glauben, dass das schon wieder
von selber vergeht? Inzwischen sollten wir klüger sein! Erst als der Schmerz
unerträglich wird, und selbst ich es merke, hole ich die Ärztin, eine
Teamkollegin und direkte Nachbarin, dass sie mal draufschaut. Dann kommt was
kommen muss. Zuerst verordnet sie strikte Bettruhe, schickt mich nachts noch
los um sofort Penicillin und Schmerzmedikamente zu holen. Dem Herrn sei Dank
dass die Apotheke noch offen hat und auch wirklich alles da hat.
Die
Behandlung kann beginnen, schlägt auch an. Aber der Eiterherd muss angegangen
werden. Nach einiger Zeit schickt mich Dr. Calustra aus Bolivien wieder los um
Verbandsmaterial zu holen. Sie bringt ihre Instrumente und sowohl ich als auch
Dörte wissen, es wird weh tun. Wir wissen aber auch dass sie Dörte liebhat und
ihr nicht aus Bosheit Schmerzen zufügen wird. Der Dreck muss raus damit Heilung
einsetzen kann.
Gestern
im Büro unserer Partnermission: Ich sitze zusammen mit A. ein junger Mann,
Anfang 30. Wir haben eine lange gemeinsame Geschichte. Sie fing vor über 10
Jahren in Wajir an. Damals in den kühlen Abendstunden kamen die Giraffen bis
hinters Haus. Zusammen mit den Kindern beobachtete ich wie die Giraffen mit ihren langen Zungen die Blätter
von den extrem stacheligen Zweigen der Akazie herunterziehen. Der traurig und
heruntergerissene junge Mann nicht weit von uns schien genau das gleiche zu
tun. Wir wurden Freunde, er wurde von einer langen Krankheit geheilt, nahm
wenig später Jesus in sein Herz auf, fing an ihm nachzufolgen. Nicht alles
verlief danach super. Er musste seine Heimat verlassen aufgrund seines
Bekenntnisses. Er kam in die Stadt nach Nairobi, geriet in schlechte
Gesellschaft, fing an zu trinken. Der ganze furchtbare Kreislauf von
Abhängigkeit und dessen Folgen wurden immer klarer. Isolation, mehr
Verzweiflung, kein Job, kein Geld. Ein Teufelskreis.
Wenige
Tage nach meiner Rückkehr nach Kenia rief er an: „Hey Dad, können wir reden?
Können wir die Fäden wieder aufnehmen, kannst Du mit mir weitermachen? Kannst
Du mir vergeben?“ Es dauerte nicht lange und wir haben uns weinend in den Armen
gelegen und einander vergeben. Das war der Anfang.
Gestern
kam die Schere bzw. Skalpell. Bei Dörte war es der schmerzhafte Eingriff, das
Eröffnen des Eiterherdes. Der Dreck fing an zu fliessen, und jeder weiss dass
das der Weg ist, der zur Heilung führt.
Bei
ihm war es die Konfrontation mit harter, schmerzhafter Wahrheit, gepaart mit
der liebevollen Zuwendung die durch das Wort Gottes kommt. Wundervolle Zusagen
wie die aus dem 5. Mosebuch im vierten Kapitel, Vers 29: „Wenn Du aber von dort
den Herrn, Deinen Gott, suchen wirst, so wirst Du ihn finden, ja, wenn Du ihn
von ganzem Herzen und von ganzer Seele suchen wirst.“ Worte wie diese haben das
Potential ihn wieder zurechtzubringen. So wie Dörte die liebevolle Hand der
Ärztin zulassen musste um wieder gesund zu werden muss auch er es zulassen. Ich
musste mit allen Mitteln an dem festhalten was ich mit Gott ausgemacht hatte.
Kein Geld, unter keinen Umständen darfst Du ihm Geld geben. Das wird den
Kreislauf der Abhängigkeit nur stärken. Ich entliess ihn nach einer prayer
session in die starke Hand Gottes, nur um jetzt mit ihm regelmässig zusammen
seine Probleme anzugehen.
Gott
ist ein Gott der heilt, darauf vertrauen wir.
In Verbindung mit der Geschichte von A. ist hier noch etwas Lesematerial das zum Beten anleiten kann:


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