Sonntag, 28. Februar 2016

Kairos Kenia

Kairos Kenia

Wir treffen uns in der Kapelle, eine alte Werkstatthalle auf dem grossen und immer weiter wachsenden Gelände von Kijabe Hospital. Das Gebäude hat nichts sakrileges an sich, nebenan hämmern die Schmiede. Mit 35 Teilnehmern und 7 Moderatoren, aus Velbert, Amerika, Australien und Kenia ist diese Kairosgruppe die grösste die wir bisher erlebt haben. Eine Vielzahl von Sprachen und Stämmen und eine Schattierung der Hautfarben von tiefschwarz bis weiss. Die Südsudanesischen Krankenpfleger kamen durch ein Stipendium nach Kijabe für eine Zusatzausbildung zum Narkosetechniker. Der Südsudan ist das jüngste souveräne Land der Welt, erst seit 2011 ist es im Genuss seiner Unabhängigkeit vom arabischen Khartoum. Bedingt durch die Geschichte dieses Landes besitzen nur wenige über eine Schulbildung, die über die 3. Klasse Grundschule hinausgeht. Dadurch werden die bald frisch absolvierten Narkosetechniker in ihrem Land einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung leisten.
Während der Teepause nehme ich staunend wahr wieviele Sprachgruppen hier vertreten sind. Die tiefschwarzen Südsudanesen plaudern fröhlich in arabisch miteinander, die Sprache, die hunderte von Stämmen im Südsudan als Handelssprache verbindet. Viele von ihnen sind sehr verfeindet. Ich frage Walery* wie es ihr geht wenn sie mit Karlo* zusammen arbeiten muss, dessen Stamm schlimme Dinge getan hat und sie es in Juba, der Hauptstadt vom Südsudan, sogar miterlebt hat? - “Wir müssen vergeben, es gibt keinen anderen  Ausweg ausser Vergebung, und ich habe jetzt die Kraft zu vergeben weil Jesus mir meine Schuld vergeben hat. Es gibt keine andere Lösung diese endlose Spirale der Gewalt zu unterbrechen. Nein, ich empfinde keinen Hass gegen Karlo, nur weil er vom Stamm der Dinka kommt. Jesus hat den Hass gegen Liebe eingetauscht.”
Wer den Konflikt im Südsudan nur annähernd kennt, der weiss, daß Walerys Herzensveränderung nicht weniger ist als ein Wunder. Normal ist das auf keinen Fall. Die anderen Teilnehmer sind Angestellte im Kijabe Hospital, Verantwortliche in Kirchen und kenianische Missionare die schon in einer abgelegenen Volksgruppe an der Küste arbeiten.
In der Kleingruppe die Dörte und ich betreuen, werden die Gespräche schnell sehr ehrlich, die Masken fallen. Sie reden von den Erfahrungen und Ängsten und Ambitionen die sie haben. Wir werden Zeugen davon wie in der noch jungen afrikanischen Kirche das Feuer der Mission, die Ausbreitung des Evangeliums, brennt.

In einer meiner Andachten

 erzähle ich von meinem indischen Kollegen, der aus den Bergen am Fusse des Himalaja kommt. Seine Urgrosseltern waren noch sehr damit beschäftigt sich als Kannibalen gegenseitig aufzuessen. Als das Evangelium kam und die ersten sich bekehrten wurde diese Praxis als erstes abgeschafft, Friede und Wohlstand durchzieht heute diese Gegend von Nordost-Indien. Viele Missionare ziehen jetzt von dort aus, um die Botschaft von Vergebung und Frieden zu verbreiten. Unsere Südsudanesen können sehr viel mit dieser Art von Beispielen anfangen.
Durch ein Rollenspiel leiten wir die Teilnehmer dazu an, in eine andere Kultur und andere Sprache zu wechseln. Für mich ein völlig faszinierendes Erlebnis, meinen afrikanischen Geschwistern geht es genauso wie Dörte und mir, als wir vor 16 Jahren zum erstenmal gemeinsam den Boden von Wajir betraten. Alles ist fremd, man versteht sich nicht, misinterpretiert Gesten und Aussagen. Erst durch das Erlernen der Kultur und Sprache findest Du Eingang und Akzeptanz in der neuen Gemeinschaft. Spielerisch kann so ein Kulturschock nachempfunden werden. Bei vielen wurden Erinnerungen geweckt, wo sie schon einmal Kulturgrenzen überwinden mussten. Eine gute Gelegenheit den eigenen "Ethnozentrismus" (Denken dass wir Deutsche, Amerikaner etc. die besten seien und unsere Kultur weit über der anderen steht) zu reflektieren. Der kann u.a. ein sehr grosses Hindernis sein bei Integration von Flüchtlingen. Diese Mauern müssen fallen, um den anderen, den Fremden, als gleichwertig und von Gott geliebt, anzunehmen. Ethnozentrismus begegnet uns überall, auch hier in Afrika, in Kenia. In einem Land das aus 46 verschiedenen Volksgruppen mit eigenen Sprachen besteht, nicht verwunderlich. Es ist ein hässliches Tier, das gerne während der Wahlkämpfe sein Haupt erhebt um Unheil anzurichten.

Versöhnung

Als Kirche arbeiten wir gezielt daraufhin, dass Menschen aus allen ethnischen Gruppen sich als Brüder und Schwestern verstehen. Es gibt nichts schöneres als ehemalige Feinde die sich gegenseitig vergeben, weil Jesus ihnen zuerst vergeben hat.  Ethnische Grenzen fallen, Barrieren werden niedergerissen, Worte aus der Bibel werden vor unseren Augen wahr. Noch aufregender aber wird es, wenn aufgrund einer erneuerten, biblischen Weltsicht ein Christ aus seiner Komfortzone rausgeht, um Stammesgrenzen zu überwinden um Jesus in ein feindliches Gebiet zu bringen. Das geschieht weltweit, unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, unter grossen Opfern ziehen afrikanische, asiatische, lateinamerikanische Missionare aus um das weiterzugeben, was sie selbst umsonst empfangen haben.
Dörte und ich beobachten eine  Bewegung, die sich durch Ostafrika und wahrscheinlich durch den gesamten afrikanischen Kontinent zieht. Von überall werden Menschen nach überall gesandt, um Jesus dort bekannt zu machen, wo sein Name noch nicht bekannt ist.
Wir leben in einer aufregenden Zeit. Seite an Seite mit Menschen aus allen Nationen, mit der gleichen Leidenschaft, mit dem gleichen Ruf, mit der Botschaft: “Lasst Euch versöhnen mit Gott!”

Donnerstag, 25. Februar 2016

Der Weg in den wilden Nordosten


400 km nach Garissa
Noch vor Sonnenaufgang brechen wir auf, das Auto in der Nacht vorher beladen. Der Verkehr ist zu bewältigen. Wir bewegen uns stadtauswärts, die Gegenseite ist schon sehr zähflüssig, die rushhour hat begonnen, auf der von Chinesen vor 2 Jahren fertiggestellten 6-spurigen Superautobahn. Vorbei an, wie es scheint, recht ungeplanten Wohngebieten die sich Kilometer um Kilometer in das ehemalige Farmland ziehen, das vor über 100 Jahren die weissen Siedler, Engländer, nach Kenia gelockt hat, um dort Kaffee anzubauen und ihr Glück zu machen.
Dort wo sich früher weite Kaffeeplantagen waren, erstrecken sich die outskirts von Nairobi, der 4-5 millionen Einwohner zählenden ostafrikanischen Metropole.
Nach 1 Stunde Fahrt, inzwischen ist die Sonne über dem Horizont aufgegangen erreichen wir die schier endlosen Ananasplantagen. Grossflächige Gewächshäuser sorgen für etwas Abwechslung in der Landschaft. Wir werden daran erinnert dass Kenia eines der wenigen Länder ist, das deutschen Männern die Möglichkeit bietet,  auch im Winter ihren Frauen rote Rosen schenken zu können. Unter welchen Bedingungen die Produktion abläuft ist ein Thema für einen anderen Zeitpunkt.
Je weiter wir gegen Osten reisen und je höher die Sonne steigt, umso weniger intensiv wird das Land bewirtschaftet. Inzwischen haben wir das Stammesgebiet der Kikuyu verlassen und sind bei den fleissigen Wakamba eingefahren. Sie sind bekannt für ihre Schnitzkunst, aber auch für ihre Fertigkeit aus Pflanzen und Wurzeln ein hochgiftiges Präparat herzustellen. Ihre Giftpfeile sind bei den Feinden sehr gefürchtet. Im allgemeinen ein sehr friedliches Volk, aber sie wissen wie sie ihren Widersachern die Grenzen aufzeigen können. Das Farmland ist gekennzeichnet von Terrassen die angelegt wurden um das knappe Wasser möglichst effektiv zu nutzen. In den wasserlosen Flussbetten sehen wir den Kampf ums überleben. Mitten in den Wadis wird gegraben um an das kostbare Nass zu kommen. Mit Schöpfkellen wird es von den Frauen in die Kanister gefüllt und auf die bereitstehenden Esel geladen. Wohl dem, der im Besitz eines Esels ist um die kilometerlangen, hügeligen Pfade zum Haus zurückzulegen. Viele Frauen schleppen die 20 Liter Kanister auf dem Rücken (siehe Bild) Strick über die Stirn, unglaublich wie sie das schaffen. Tag für Tag werden viele Stunden aufgewendet um Wasser im Haus zu haben fürs Kochen und Trinken. Afrikanische Frauen arbeiten unglaublich aufopferungsvoll und geben alles für ihre Familien.
Nach weiteren 1-2 Stunden Fahrt umgibt uns nur noch Busch, menschliche Besiedlung wird immer rarer. Plötzlich ändert sich das Aussehen der Menschen die wir ab und an zu Gesicht bekommen. Es sind nicht mehr die eher plump wirkenden Wakamba, die zu den Bantuvölkern gehören. Jetzt begegnen wir den schlanken, feingliedrigen Somalihirten die oft hunderte von Kamelen vor sich hertreiben. Der eine oder andere hält eine Flasche hoch und bietet frisch gemolkene Kamelmilch feil. Ich kann nicht anders als kurz für ein Schwätzchen anzuhalten: "Caano geel, meeqa way?" - wieviel kostet die Kamelmilch? - "Boqol shilin keliya" - ruft er mir rüber. "Qaali way" - "das ist aber teuer", entgegne ich. Mit der Entschuldigung dass ich Angst vor Durchfall habe und doch nicht kaufen will, ist er zufrieden, freut sich über die kurze Begegnung mit dem merkwürdigen Weissen, der ihn in Somali anspricht.
Die Fahrt geht weiter, durch unbesiedeltes Gebiet. Hier und da sind Wasserlöcher in der nun immer karger und wüstenähnlicher werdenden Landschaft. Nicht nur Kamele, Schafe und Ziegen leben von dem Wasser, sondern auch Vögel, Affen und andere Wildtiere löschen dort ihren Durst. Ich liebe diese Gegend, die Weite und Unberührtheit hat einen ganz besonderen Reiz. Natur und Mensch arbeiten eng miteinander zusammen. Immer auf der Suche nach Weidegründen und Wasser ist ihr Leben von diesem Zyklus bestimmt. Hochzeiten werden entsprechend in die Regenzeit gelegt, selbst Kriege werden lieber in der fetten Zeit geführt als in der Trockenzeit.
Natürlich versuche ich ein Bild zu machen von den Tieren am Wasser die von den Hirten geordnet werden. Es dauert nicht lange bis einer merkt dass ich die Kamera angelegt habe. Schon fliegen die ersten Steine und sehr ärgerliche Schreie  machen mir unmissverständlich klar dass fotografieren hier mehr als unerwünscht ist. Mein Vorteil ist, ich sitze hier im Auto und gehe aufs Gas und entferne mich von den verärgerten und heissblütigen Kamelhirten. Allerdings nicht ohne ein schönes Bild in den Kasten bekommen zu haben.
Die Reise geht weiter, wir kommen an einen aus Stöcken und Gras bestehenden Siedlung. Am Strassenrand liegen Säcke mit Holzkohle zum Verkauf. Es scheint die Haupteinnahmequelle der sehr arm aussehenden Bevölkerung des Weilers zu sein. Ich halte Ausschau nach einer Siedlung die ich vor Jahren kennenlernte als ich anhielt um einen Sack Kohle zu kaufen. Es war eine Somalifrau mit ihrem 8 jährigen Sohn die ich damals kennenlernte. Aus dieser kurzen Begegnung entwickelte sich ein Gespräch. Im Gespräch erzählte sie von der Armut, Mangel an Wasser und eigentlich an allem. Mein Kollege der damals mit war, ein koreanischer Wasserbauingenieur, liess sich darauf ein, genau in diesem Weiler ein Reservoir für Regenwasser zu bauen. Die Situation verbesserte sich in den letzten Jahren, die Beziehungen sind gut, und alle Kinder dieser Frau sind heute durch ein Stipendium dieses Koreaners in einer christlichen Privatschule und erhalten eine erstklassige Ausbildung. Gerne denke ich zurück an diese zufällige Begegnung am Strassenrand beim Einkauf von Kohle. Eine kleine Geste kann oftmals sehr viel bewirken, ein freundliches Gespräch, ein hörendes Ohr und ein Gott der alle Resourcen freisetzen kann.
Inzwischen taucht Garissa in der Ferne vor uns auf, im tief eingeschnittenen Tal des Tana Flusses, flimmernde Hitze vor uns. Wir sind durch Klimazonen gereist, durch Sprach- und Stammesgebiete. Ich fühle Dankbarkeit in mir aufwallen, nicht nur für einen sicheren Trip, sondern auch für das Privileg in diesem wunderschönen, so verschiedenartigen, reichen Land leben zu dürfen. 

Samstag, 20. Februar 2016

Afrika


Das echte Afrika ist das, das Du nie zu Gesicht bekommst. Das echte Afrika ist versteckt unter einer dünnen Decke von Armut, Hunger und Tod; eine krankhafte Masse auf dem Angesicht der Erde, den der Rest der Welt gemeinhin als "Afrika" bezeichnet.
Das echte Afrika ist eingetaucht in Korruption und Habsucht, in Tyrannei und einer raffsüchtigen Elite, unter Gesichtern von Menschen die sie nicht ernähren können.
Das echte Afrika ist vergraben unter den Slums die voll sind mit Dreck und Krankheit, wo Kinder gezwungen sind so viel schneller aufzuwachsen um zu überleben.
Das echte Afrika ist versteckt unter einem Niemandsland von Wüste, trocken und zu unfruchtbar um ein grünes und gesundes Leben hervorzubringen.
Nein, das ist nicht das echte Afrika. Das Afrika das ich kenne:
Das Afrika das sich spiegelt im warmen Sonnenschein den Du in Deinem inneren spüren kannst. Das Afrika das von den warmen, spontanen Lächeln seiner Menschen glänzt.
Das Afrika, am Herzen der himmelhohen Berge und des tropischen Dschungels, goldener Sanddünen und saftig grünen Weidelandes.
Das Afrika das das Herz der verschiedenen Völker, Sprachen, Kulturen und Identitäten ist, die diesen Kontinent ihre Heimat nennen. Der Kontinent wo, moyo muti unomera pauno:
Wo Wurzeln sich einhaken und nicht loslassen, solie wie der Baobab oder Buyubaum, der schon immer da war und immer da sein wird, der fest steht und gegen alle Widrigkeiten der Zeit stehen wird.
Mein Afrika ist dort wo mein Herz wohnt auch wenn ich schon lange weg bin und weit entfernt, wo meine Gedanken hinwandern auch über Ozeane hinweg.
Das echte Afrika kannst Du riechen, die selbe Minute die Du aus dem Flugzeug afrikanischen Boden betrittst, Du fühlst die Luft Dir zurufen, Dich willkommen heissen.
Das echte Afrika ist das Chaos und die Ruhe die Seite an Seite existiert, wenn hupende Autos die Strassen entlangrasen, vorbei an Weiden in denen Kühe friedlich grasen.
Das ist das echte Afrika das sie nie zeigen.
(Meine Übersetzung vom 20.2.16)

Freitag, 19. Februar 2016

Geschichten unterm Buyubaum



Garissa 

– nur wenige Meter entfernt von dem Ort wo vor weniger als einem Jahr fast 150 Studenten in einem schrecklichen Massaker ihr Leben verloren. In einem kleinen Cafe, mit Blick auf die Uni, versuche ich mir bewusst zu machen in welcher Szene ich mich gerade befinde. Wenige Besucher sitzen an einigen Tischen, misstrauische Blicke scheinen mir zu folgen während ich mir einen Kaffee bestelle. Ich packe meinen Schreibblock und Stift aus um einige Notizen zu machen, aus den Augenwinkeln nehme ich wahr, dass sich einer meinem Tisch nähert. Ich sehe hoch und rufe ihm ein einlandendes „Karibu“ zu, mit der Handbewegung sich zu mir zu setzen. In kurzer Zeit bin ich von 6-8 jungen Männern umringt, alle sind interessiert woher ich komme, warum ich hier bin, welchen Fussballclub ich anfeuere. Dass mein Club der FC Bayern München ist, bringt das Eis endgültig zum schmelzen. Von da an geht es um die Attacke, die Jungs erinnern sich sehr genau, was an diesem folgenschweren Tag kurz vor Ostern letztes Jahr geschah. Das Gewehrfeuer ist noch  frisch in ihrer Erinnerung und sie verstehen es bis heute nicht, dass alles so kommen musste. Die endlos scheinende Wartezeit auf die Spezialeinheit, die vernichtenden Schüsse auf junge Mädchen entgegen der Befehle des Kommandeurs. Sie reden gerne, machen ihren Gefühlen Luft, möchten eben nicht in einen Topf mit den Radikalen geworfen werden. Sie haben offensichtlich Spass mit mir abzuhängen, auch mit einem Fremden zu reden und ihm das Gefühl zu geben, dass er willkommen ist, in einer Stadt die vom Tod gekennzeichnet ist.

Das Trauma 

des Todes ist real in vielen, mit denen ich im Verlauf des Tages ins Gespräch komme. In einer kleinen Blechkirche, während die Sonne das Blechdach unbarmherzig aufheizt, sitze ich mit meinen Kollegen in einer Gruppe von Pastoren, die den Schrecken von Garissa durchlebt haben.
Meine Vorstellung mit einigen Episoden aus meinem Erleben in Wajir führt dazu, dass bei diesen Männern die Dämme brechen. Sie merken, dass sie es mit Besuchern zu tun haben, die mitfühlen können, die ähnliches erlebt haben.
"Trauma ist real, Ängste sind auch für uns normal, wir schrecken jedesmal auf, wenn eine Tür zuknallt", sagt Martin, ein Pastor, der seit fast 30 Jahren in Garissa lebt. Josef fragt sich wie er, der selber erst einmal Heilung braucht, andere aus seiner Gemeinde Heilung bringen kann. David lässt erkennen, dass das Leben auch wirtschaftlich sehr viel schwerer geworden ist, seitdem viele Gemeindeglieder aus der Gegend geflohen sind, oder aus Angst nicht mehr in den Gottesdienst kommen. Für viele sind die Gaben der Besucher das Einzige aus dem sie ihren Unterhalt bestreiten können. Die Pastoren haben ihre Herzen weit geöffnet, wir sind tief bewegt über ihre Ehrlichkeit. Eine Frage muss ich aber noch stellen: „Warum seid Ihr noch hier?“ Die Antwort von Shadrack und James fordern mich heraus. „Hier geht es nicht um das, was wir wollen, sondern um das, was Gott von uns will. Selbst wenn wir unsere Sachen packen wollen, wir können nicht, denn da ist noch diese und die andere Seele die Jesus kennenlernen möchte. Wir haben hier eine Arbeit abzuschliessen. Und wir wissen auch, dass mit uns ein Stück der Gegenwart Gottes aus Garissa abziehen würde. Die Menschen brauchen uns um Salz und Licht zu haben.“ Meine Kollegen und ich sind stolz auf unsere afrikanischen Geschwister, die sich selbst verleugnen, als verrückt abgestempelt werden, aber in allem ihrem Gott treu bleiben und ihm dienen.

Rückschau

Am Ende des Tages schauen wir zurück und sind dankbar für die Gespräche, die Türen, die für uns aufgingen wo immer wir waren. Regierungsbeamte waren genauso offen uns gegenüber wie unsere Pastorenkollegen. Mitten hinein in unsere kleine Runde  kommt ein bärtiger Mann mit einem Tuch, das sonst nur von Sheikhs getragen wird. Was will der von uns? Jetzt erst erkenne ich, dass es der katholische Priester von Garissa ist, ein guter alter Freund von mir. Vater Nikolaus ist seit über 20 Jahren  in der Stadt, er liebt diese Stadt und kennt seine Bewohner. Viele wollten ihn lieber tot sehen als lebendig, bisher starben die, die es versuchten immer noch vor ihm: Der eine durch eine selbstgebastelte Bombe, die zu früh losging und ein anderer auf mysteriöse Weise, die nie ganz geklärt wurde. Auch er möchte reden, erzählen von dem, was diese Stadt zu einer besonderen Stadt macht, warum man hier die Nähe Gottes besonders erleben kann. Es macht Freude seinem enthusiastischen Erzählen zuzuhören.

Wunsch nach Frieden

Gänsehaut bekomme ich dann als er berichtet, dass die Seelen der Getöteten  noch  nicht zur Ruhe gekommen sind, sondern ihre Stimmen noch zu hören sind; ihre Schreie noch in den Gängen hallen.

Mögen ihre Seelen Ruhe finden, möge diese Stadt Frieden finden, möge diese Region den Friedefürst erkennen.

Mittwoch, 10. Februar 2016

Pioniere in Ostafrika




Die Geschichte Kenias als Kolonie beginnt 1885 mit einem deutschen Protektorat über die Besitzung Witu an der Küste des Sultanats von Sansibar. 1888 kam die Imperial British East Africa Company nach Kenia und verwaltete bis 1895 Britisch-Ostafrika. Deutschland übergab Witu gemäß dem sogenannten Helgoland-Sansibar-Vertrag von 1890 an die Briten. (Wikipedia)


In einer Zeit als Kenia noch keine britische Kolonie war und das deutsche Kaiserreich Teile der Region an der Küste verwaltete, wagten sich deutsche Missionare in das Hinterland des mächtigen Tana Stromes hinauf.

Angefangen von 1886 war Lamu, der wunderschöne Archipel im indischen Ozean der Anlaufpunkt für die Missionare der Neukirchener Mission. Lamu ist seit vielen Jahrhunderen islamisch geprägt, ein Zentrum islamischer Gelehrsamkeit. Über ganz Ostafrika und den Inseln des indischen Ozeans finden sich Lehrer, die in Lamu ihre Ausbildung genossen haben. Bis heute ist diese Insel Autofrei, das einzige Transportmittel sind die unzähligen Esel, die durch die engen Gassen der verwinkelten, orientalischen und exotisch anmutenden Altstadt streifen. Diese Insel ist ein echter Geheimtip für Urlauber, die fernab von den ausgetretenen Pfaden Ursprüngliches erleben wollen.


Damals aber war es der Stützpunkt für eine abenteuerliche Expedition in das Innere des grossen, unerforschten afrikanischen Kontinentes. Die Teilnehmer der jahrzehntelang anhaltenden Forschungreisen waren aber keine Naturforscher oder Anthropologen, es waren Männer und Frauen mit einer Mission. Ihr Ziel war es, das Volk der Pokomo das entlang des Tana Flusses lebt, mit der Botschaft von Jesus zu erreichen.

Wo kamen sie her, was hat sie motiviert, wer hat sie beauftragt? Ihre Leidenschaft wurde auch durch den oft frühen Tod von Frauen und Kindern durch tropische Krankheiten, oder durch den Speer eines feindlichen Kriegers nicht gebremst. Die Chronik: “Unter dem offenen Himmel” (W. Nitsch, 1928) beschreibt die Menschen mit diesem Pioniergeist.


Diese Geschichte hat mich fasziniert, ich wusste aber lange nur von Gräbern, angeblich deutscher Missionare in der Nähe der Küste.
Letztes Jahr im Oktober wurde ich auf einen einflussreichen Pokomo aufmerksam gemacht. Da ich im Land war, rief ich ihn an, wir verabredeten uns in einem Cafe in Nairobi. Über eine Stunde lang war ich lebendiger Geschichte ausgesetzt, sein Grossvater kam durch diese Pioniere zum Glauben. Er erzählte, die Dankbarkeit in seiner Stimme war nicht zu verkennen, von den Mühen die diese Missionare aufwandten, um nicht nur das Evangelium, sondern auch Bildung und Gesundheitsversorgung in das Volk zu bringen. Bald wurde die erste Schule gegründet, ein Krankenhaus wurde gebaut, neue Gebiete wurden erschlossen.
Die Faszination dieser Geschichte quasi im Reisegepäck kam ich zurück nach Deutschland und suchte eine Gelegenheit, mehr über diese frühe Missionsgeschichte zu erfahren. Zufällig traf ich im Gottesdienst meinem früheren Chef, der seine theologische Ausbildung in Neukirchen/Vluyn absolvierte. Bei der blossen Erwähnung des Pokomovolkes am Tanafluss in Ostafrika geriet er in Begeisterung und konnte mir Namen und Begebenheiten aufzählen, so als wäre er selber dort gewesen. Auf meine Frage, ob er von dem Buch wüsste, von dem mein Pokomofreund ständig erzählte, sagte er nur, dass Buch in seinem Schrank steht. Er würde es mir schicken.
Gestern traf ich wieder mit meinem Pokomofreund zusammen, einem älteren Mann, etwa 65 Jahre alt. Dieses mal war es an ihm, dass seine Augen wässrig wurden, “ein Pokomokenner in Deutschland?” Da ist eine Verbindung entstanden, von der wir noch sehen werden, wo sie hinführt. Wir sind gespannt.
Mein Namensvetter, der Pokomo, redet von den politischen Entwicklungen, die das Volk betreffen, die angespannten Verhältnisse mit den Nachbarstämmen. Da ist der uralte Konflikt zwischen Ackerbauern und Viehhirten. Pokomo bestellen ihre Felder in der Nähe des Flusses. Die Nomadenstämme müssen aber zum Wasser um ihre Tiere zu tränken. Die einen sind bewaffnet, die eher friedliebenden Bauern aber nicht. Der Versuch die Felder zu schützen kann schnell einen Stammeskrieg auslösen. So erst geschehen im Jahr 2012, viele verloren ihr gesamtes Hab und Gut und so manche auch ihr Leben.
Letztlich ist es aber auch ein religiöser Konflikt. Durch die Arbeit der Missionare ist etwa ein Drittel des Volkes zu Christen geworden. Im überwiegend islamischen Teil des Landes ist das ein Dorn in den Augen des extremistisch ausgerichteten Lagers.

Nur durch Einheit innerhalb des Volkes, das durch Gebetstreffen verstärkt werden kann, und durch die Intensivierung des Dialogs zwischen den traditionell verfeindeten Stämmen kann langfristig Frieden hergestellt und erhalten werden. Mein Freund versucht in den nächsten Wochen die Leiter der Gruppen zusammenzubringen um den Friedensprozess auch im Hinblick auf die nationalen Wahlen, die bis nächstes Jahr die Konflikte ansteigen lassen, zu stärken.



Ein Besuch in seinem Dorf ist schon in Planung. Wir werden dort in den Spuren unserer Vorgänger laufen, Geschichte lebendig werden lassen und durch die Kraft Gottes Spuren hinterlassen. 

Für uns ist das Volk der Pokomo auch deswegen interessant, weil ihr Siedlungsgebiet an das Siedlungsgebiet der Somalis angrenzt. 

Sonntag, 7. Februar 2016

Gewehrlauf im Rücken und das Gefühl von Einsamkeit



Wie jeden Samstag trafen sich auch gestern unsere Freunde wieder um sich gegenseitig Mut zuzusprechen. Endlich konnte ich viele wiedersehen. Zum Glück ist Samstags nicht ganz so viel los in der Stadt, mit meinen Kollegen aus Indien und Bolivien komme ich rechtzeitig im anderen Stadtteil auf einem etwas abgelegenen Grundstück mit einer Kirche an. Einmal im Monat wird gemeinsam gekocht, das Ziegenfleisch war schon am bruzzeln und das Aroma verteilte sich über das Gelände und schien die Besucher anzulocken.
Der kleine Raum füllt sich mit Männern, Frauen und Kindern die fast alle  nicht so aussehen als kämen sie aus diesem Land. In der Tat ist es so, dass die meisten von ihnen Flüchtlinge aus dem Nachbarland im Osten sind. Andere sind aus Kenia, gehören aber zur gleichen ethnischen Volksgruppe. Die gemeinsame Sprache und Kultur verbindet sie. Inzwischen verbindet sie auch ihr gemeinsamer Glaube.
Noch trudeln die Besucher ein, wir fangen schon mal das Treffen offiziell an, singen ein Lied gemeinsam das jeder auswendig kennt. Mein Telefon klingelt, ich nehme ab: „Hey Dad, wo bis Du? Ich muss Dich unbedingt sprechen, wo kann ich Dich finden?“ Es dauert nicht allzulange bis O. etwa mitte 20, zum Treffen kommt. Das ist inzwischen schon in vollem Gange, aber hier in Afrika kommt man nie zu spät. Wir feuen uns über jeden, der es schafft zu kommen, und die Mühe und auch die Gefahr nicht scheut, mit anderen gesehen zu werden, die ihre Herkunftsreligion Islam, den Rücken gekehrt haben.
Ich erzähle von meiner Zeit in Deutschland, von meinen Reisen nach England und nach Finnland. Die Länder, in die viele ihrer Volksgenossen bereits geflohen sind. In meiner Botschaft rief ich sie eindringlich dazu auf nach Einheit und Demut zu streben. Nur zu oft zerstört Streit über Kleinigkeiten ihre Gruppen, egal wo in der Welt sie sich treffen. Man schien mich zu verstehen: „Wir wollen uns mehr darum bemühen unsere Differenzen frühzeitig zu bereinigen und uns gegenseitig zu vergeben,“ war die Resonanz von einigen.
Beim Essen lerne ich einige neue kennen und tausche mich mit alten Freunden aus. Da ist F., der wir vor Jahren in Kijabe halfen, als ihr Sohn mit einem gebrochenen Arm zu uns kam. Sie konnte nicht mehr gut lesen und ich gab ihr eine meiner Aldi Lesebrillen, und gestern als wir uns trafen, konnte sie ihre Begeisterung über diese Brille kaum zügeln.
O. der junge Mann konnte aber kaum erwarten dass wir jetzt endlich nach Hause fahren. Mom and Dad waren wieder da, er wollte dass wir erfahren wie es ihm erging. Zu Hause angekommen macht Dörte erstmal Tee, wir setzen uns und O. fängt an zu erzählen:
„Es war letztes Jahr an Ostern, als mein Freund R., der selber Flüchtling ist, und ich zum Ostergottesdienst gingen. Wir beide wollten die Auferstehung unseres Herrn zusammen mit anderen Christen feiern. Wir kamen etwas spät zum ersten Gottesdienst, und blieben noch für den nächsten. Danach gab es noch Mittagessen, wir fühlten uns wohl, also blieben wir. Kleine Gespräche hier und da mit anderen Besuchern ergaben sich. Natürlicherweise wurde auch die grausame Attacke auf Garissa University, die zwei Tage vorher geschah, erwähnt. Fast 150 Opfer waren zu beklagen und die Täter waren Somalis, das war klar. Uns wurde dann erst bewusst, dass wir nicht als Brüder angesehen wurden sondern als Terrorverdächtige weil wir Somalis sind.
Plötzlich spürten wir die kalten Läufe von Maschinenpistolen auf unsere Rücken und Pistolen waren auf unsere Schläfen gerichtet. Mitten in der Kirche. Die, mit denen wir noch vor Sekunden im Gespräch waren, rannten in Sicherheit. Mit durchdringenden Befehlen wurden wir dazu gezwungen uns bis auf die Unterhosen auszuziehen. Man vermutete Waffen und Sprengstoff. Wir wurden gewaltsam in die bereitstehenden Autos geschoben. Verdunkelte Scheiben und immer noch die entsicherten Waffen auf uns gerichtet. Auf der Polizeistation begann die Vernehmung. Wer hat Euch geschickt? Was plant Ihr? Wir beteuerten den Polizisten dass wir Christen seien und nur zum Gebet in die Kirche kamen. Keiner glaubt uns ein Wort, weil jeder sehen kann zu welcher Volksgruppe wir gehören, und unsere Namen weisen auf unsere Herkunftsreligion hin.
Sie durchsuchen unsere Zimmer, finden aber nur christliche Literatur und Bibeln. Das allein aber überzeugt sie noch lange nicht. Erneut werden wir in ein dunkles Auto gesteckt. Ich selber bin aus Kenia und kenne genügend Geschichten von Verdächtigen deren Schicksal nie ans Licht kam. Angst packt mich, ich will noch nicht sterben, nicht so. Mein Freund und ich, wir fangen an zu beten. Wir schreien zu Gott, dass er uns befreit. Kurze Zeit später finden wir uns in einer zelle wieder. Werden erneut ausgefragt und eingeschüchtert. Was wir nicht wissen: Die Nachricht von unserer Verhaftung hat inzwischen unsere Geschwister erreicht, sie suchen buchstäblich jede einzelne Polizeistation in der Stadt ab. Wir suchen O und R., unsere Geschwister, wo können wir sie finden. Sie werden von A- Z geschickt, man scheint verstanden zu haben dass wir von unseren Leuten gesucht werden. Als das erste Suchteam zu uns kommt, haben sie Tee und Brot dabei, wir waren so glücklich sie zu sehen. Man weiss wo wir sind. Wir werden diese Geschichte überleben um sie zu erzählen. Gott wird uns da rausholen. Die Beamten gaben uns sogar eine freie Zelle so dass wir für 30 minuten gemeinsam beten konnten. Die restliche Zeit teilten wir die Zelle mit Kämpfern aus Yemen und anderen Ländern deren Ziele eindeutig waren. Keine angenehme Gesellschaft in der wir uns befanden.
Nach etwas mehr als einer Woche wurden wir auf freien Fuss gesetzt. Unsere Namen und Gesichter waren inzwischen über alle Fernsehkanäle geflimmert. Früher versuchten wir unseren Glauben zu verheimlichen, jetzt aber wusste jeder wer wir waren. Mich hat das aber nur noch fester gemacht. Ich habe keine Angst mehr als „Ungläubiger“ Nachteile zu erleiden. Ich habe erlebt und kann es bezeugen dass mein Gott Gebete erhört und retten kann.“

Als O. mit seiner Geschichte zu Ende ist, sehe ich in das Gesicht dieses jungen Mannes. Er ist erwachsen geworden. Er ist stark geworden, er strahlt eine Zuversicht aus die ich so von ihm nicht kannte. Dörte und ich sind stolz auf ihn. Wir haben die Fäden wieder aufgenommen, nun gehen wir gemeinsam weiter, nach vorne. 


Donnerstag, 4. Februar 2016

Schmerz und Liebe - wie passen diese beiden zusammen?


Die Infektion an Dörtes Bein hatte inzwischen derartige Ausmasse angenommen, wir durften nicht mehr lange warten.
Was, so wie wir meinen, mit einem harmlosen Mückenstich anfing, (es kann auch ein Spinnenstich gewesen sein) hat sich zu einer richtig fetten Entzündung, mehr als handflächengross und tiefrot, heiss und extrem schmerzhaft, entwickelt.
Warum haben wir bloss so lange gewartet? Wie konnten wir nur glauben, dass das schon wieder von selber vergeht? Inzwischen sollten wir klüger sein! Erst als der Schmerz unerträglich wird, und selbst ich es merke, hole ich die Ärztin, eine Teamkollegin und direkte Nachbarin, dass sie mal draufschaut. Dann kommt was kommen muss. Zuerst verordnet sie strikte Bettruhe, schickt mich nachts noch los um sofort Penicillin und Schmerzmedikamente zu holen. Dem Herrn sei Dank dass die Apotheke noch offen hat und auch wirklich alles da hat.
Die Behandlung kann beginnen, schlägt auch an. Aber der Eiterherd muss angegangen werden. Nach einiger Zeit schickt mich Dr. Calustra aus Bolivien wieder los um Verbandsmaterial zu holen. Sie bringt ihre Instrumente und sowohl ich als auch Dörte wissen, es wird weh tun. Wir wissen aber auch dass sie Dörte liebhat und ihr nicht aus Bosheit Schmerzen zufügen wird. Der Dreck muss raus damit Heilung einsetzen kann.
Gestern im Büro unserer Partnermission: Ich sitze zusammen mit A. ein junger Mann, Anfang 30. Wir haben eine lange gemeinsame Geschichte. Sie fing vor über 10 Jahren in Wajir an. Damals in den kühlen Abendstunden kamen die Giraffen bis hinters Haus. Zusammen mit den Kindern beobachtete ich wie die  Giraffen mit ihren langen Zungen die Blätter von den extrem stacheligen Zweigen der Akazie herunterziehen. Der traurig und heruntergerissene junge Mann nicht weit von uns schien genau das gleiche zu tun. Wir wurden Freunde, er wurde von einer langen Krankheit geheilt, nahm wenig später Jesus in sein Herz auf, fing an ihm nachzufolgen. Nicht alles verlief danach super. Er musste seine Heimat verlassen aufgrund seines Bekenntnisses. Er kam in die Stadt nach Nairobi, geriet in schlechte Gesellschaft, fing an zu trinken. Der ganze furchtbare Kreislauf von Abhängigkeit und dessen Folgen wurden immer klarer. Isolation, mehr Verzweiflung, kein Job, kein Geld. Ein Teufelskreis.
Wenige Tage nach meiner Rückkehr nach Kenia rief er an: „Hey Dad, können wir reden? Können wir die Fäden wieder aufnehmen, kannst Du mit mir weitermachen? Kannst Du mir vergeben?“ Es dauerte nicht lange und wir haben uns weinend in den Armen gelegen und einander vergeben. Das war der Anfang.
Gestern kam die Schere bzw. Skalpell. Bei Dörte war es der schmerzhafte Eingriff, das Eröffnen des Eiterherdes. Der Dreck fing an zu fliessen, und jeder weiss dass das der Weg ist, der zur Heilung führt.
Bei ihm war es die Konfrontation mit harter, schmerzhafter Wahrheit, gepaart mit der liebevollen Zuwendung die durch das Wort Gottes kommt. Wundervolle Zusagen wie die aus dem 5. Mosebuch im vierten Kapitel, Vers 29: „Wenn Du aber von dort den Herrn, Deinen Gott, suchen wirst, so wirst Du ihn finden, ja, wenn Du ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele suchen wirst.“ Worte wie diese haben das Potential ihn wieder zurechtzubringen. So wie Dörte die liebevolle Hand der Ärztin zulassen musste um wieder gesund zu werden muss auch er es zulassen. Ich musste mit allen Mitteln an dem festhalten was ich mit Gott ausgemacht hatte. Kein Geld, unter keinen Umständen darfst Du ihm Geld geben. Das wird den Kreislauf der Abhängigkeit nur stärken. Ich entliess ihn nach einer prayer session in die starke Hand Gottes, nur um jetzt mit ihm regelmässig zusammen seine Probleme anzugehen.

Gott ist ein Gott der heilt, darauf vertrauen wir. 
In Verbindung mit der Geschichte von A. ist hier noch etwas Lesematerial das zum Beten anleiten kann: