Die Geschichte Kenias als Kolonie beginnt 1885 mit einem deutschen Protektorat über die Besitzung Witu an der Küste des Sultanats von Sansibar. 1888 kam die Imperial British East Africa Company nach Kenia und verwaltete bis 1895 Britisch-Ostafrika. Deutschland übergab Witu gemäß dem sogenannten Helgoland-Sansibar-Vertrag von 1890 an die Briten. (Wikipedia)
In
einer Zeit als Kenia noch keine britische Kolonie war und das
deutsche Kaiserreich Teile der Region an der Küste verwaltete,
wagten sich deutsche Missionare in das Hinterland des mächtigen Tana
Stromes hinauf.
Angefangen von 1886 war Lamu, der wunderschöne Archipel im indischen Ozean der Anlaufpunkt für die Missionare der Neukirchener Mission. Lamu ist seit vielen Jahrhunderen islamisch geprägt, ein Zentrum islamischer Gelehrsamkeit. Über ganz Ostafrika und den Inseln des indischen Ozeans finden sich Lehrer, die in Lamu ihre Ausbildung genossen haben. Bis heute ist diese Insel Autofrei, das einzige Transportmittel sind die unzähligen Esel, die durch die engen Gassen der verwinkelten, orientalischen und exotisch anmutenden Altstadt streifen. Diese Insel ist ein echter Geheimtip für Urlauber, die fernab von den ausgetretenen Pfaden Ursprüngliches erleben wollen.
Damals
aber war es der Stützpunkt für eine abenteuerliche Expedition in
das Innere
des grossen, unerforschten afrikanischen Kontinentes. Die Teilnehmer
der jahrzehntelang anhaltenden Forschungreisen waren aber keine
Naturforscher oder Anthropologen, es waren Männer und Frauen mit
einer Mission. Ihr Ziel war es, das Volk der Pokomo das entlang des
Tana Flusses lebt, mit der Botschaft von Jesus zu erreichen.
Wo kamen sie her, was hat sie motiviert, wer hat sie beauftragt? Ihre Leidenschaft wurde auch durch den oft frühen Tod von Frauen und Kindern durch tropische Krankheiten, oder durch den Speer eines feindlichen Kriegers nicht gebremst. Die Chronik: “Unter dem offenen Himmel” (W. Nitsch, 1928) beschreibt die Menschen mit diesem Pioniergeist.
Diese
Geschichte hat mich fasziniert, ich wusste aber lange nur von
Gräbern, angeblich deutscher Missionare in der Nähe der Küste.
Letztes
Jahr im Oktober wurde ich auf einen einflussreichen Pokomo aufmerksam
gemacht. Da ich im Land war, rief ich ihn an, wir verabredeten uns in
einem Cafe in Nairobi. Über eine Stunde lang war ich lebendiger
Geschichte ausgesetzt, sein Grossvater kam durch diese Pioniere zum
Glauben. Er erzählte, die Dankbarkeit in seiner Stimme war nicht zu
verkennen, von den Mühen die diese Missionare aufwandten, um nicht
nur das Evangelium, sondern auch Bildung und Gesundheitsversorgung in
das Volk zu bringen. Bald wurde die erste Schule gegründet, ein
Krankenhaus wurde gebaut, neue Gebiete wurden erschlossen.
Die
Faszination dieser Geschichte quasi im Reisegepäck kam ich zurück
nach Deutschland und suchte eine Gelegenheit, mehr über diese frühe
Missionsgeschichte zu erfahren. Zufällig traf
ich im Gottesdienst
meinem früheren Chef, der
seine theologische Ausbildung in Neukirchen/Vluyn absolvierte. Bei
der blossen Erwähnung des Pokomovolkes am Tanafluss in Ostafrika
geriet er in Begeisterung und konnte mir Namen und Begebenheiten
aufzählen, so als wäre er selber dort gewesen. Auf meine Frage, ob
er von dem Buch wüsste, von dem mein Pokomofreund ständig erzählte,
sagte er nur, dass Buch in seinem Schrank steht. Er würde es mir
schicken.
Gestern
traf ich wieder mit meinem Pokomofreund zusammen, einem älteren
Mann, etwa 65 Jahre alt. Dieses mal war es an ihm, dass seine Augen
wässrig wurden, “ein Pokomokenner in Deutschland?” Da ist eine
Verbindung entstanden, von
der
wir noch sehen werden, wo sie hinführt. Wir sind gespannt.
Mein
Namensvetter, der
Pokomo,
redet von den politischen Entwicklungen, die das Volk betreffen, die
angespannten Verhältnisse mit den Nachbarstämmen. Da ist der uralte
Konflikt zwischen Ackerbauern und Viehhirten. Pokomo bestellen ihre
Felder in der Nähe des Flusses. Die Nomadenstämme müssen aber zum
Wasser um ihre Tiere zu tränken. Die einen sind bewaffnet, die eher
friedliebenden Bauern aber nicht. Der Versuch die Felder zu schützen
kann schnell einen Stammeskrieg auslösen. So erst geschehen im Jahr
2012, viele verloren ihr gesamtes Hab und Gut und so manche auch ihr
Leben.
Letztlich
ist es aber auch ein religiöser Konflikt. Durch die Arbeit der
Missionare ist etwa ein Drittel des Volkes zu Christen geworden. Im
überwiegend islamischen Teil des Landes ist das ein Dorn in den
Augen des extremistisch ausgerichteten Lagers.
Nur durch Einheit innerhalb des Volkes, das durch Gebetstreffen verstärkt werden kann, und durch die Intensivierung des Dialogs zwischen den traditionell verfeindeten Stämmen kann langfristig Frieden hergestellt und erhalten werden. Mein Freund versucht in den nächsten Wochen die Leiter der Gruppen zusammenzubringen um den Friedensprozess auch im Hinblick auf die nationalen Wahlen, die bis nächstes Jahr die Konflikte ansteigen lassen, zu stärken.
Ein
Besuch in seinem Dorf ist schon in Planung. Wir werden dort in den
Spuren unserer Vorgänger laufen, Geschichte lebendig werden lassen
und durch die Kraft Gottes Spuren hinterlassen.
1 Kommentar:
Moin Dörte & Thomas
Sehr schöner Artikel....
Ich bete....Der Friede des Herrn sei mit Euch..
herzlich Jörg Schmeling
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