Samstag, 20. Juni 2020

Housewarming party und Fusswaschung

Gestern machten wir uns mit 2 Autos auf den Weg zu einer jungen Familie aus dem "modernen" Kenia.  Sie entschlossen sich als Missionare am Ende der Welt ein Haus zu bauen und dort in einem kleinen Dorf als Fremde zu leben. Die junge Frau die mit Dörte im Wasser des Tana Flusses steht hat erst vor 2 Monaten ihr zweites Kind bekommen. 

Wir stehen hier im Hof des neugebauten Hauses aus Stöcken und Lehm mit dem Gastgeber der Familie. Rashid ist der stellvertretende König des Stammes der Ilwana. Es war ein freundlicher Empfang, es half dass wir beide eine gemeinsame Sprache hatten die uns sofort verband. 

Obwohl ein Haus aus Stöcken und Lehm vielleicht nicht besonders haltbar zu scheinen mag ist dieses Haus ein echtes Schmuckstück. Die Innenwände sind mit Zement verputzt und ordentliche Türen sind eingebaut. Die Elektrizität wird durch Sonnenenergie gewonnen und mit einem Inverter auf 220 Volt umgesetzt dass selbst ein Kühlschrank damit betrieben werden könnte. Für die Dorfbewohner ist vieles von dem was die "neuen, die fremden" so tun, eigenartig und interessant. Man kommt zum schnuppern, redet über dieses und jenes und automatisch über Gott. Die Frage wird in vielstündigen Gesprächen bewegt: "wie kann ich wissen welcher Glaube der richtige ist?" Das Dorf ist komplett islamisch!

Vor etwa einer Woche bin ich mit meinen Freunden zu einer Familie gerufen worden deren Kind sich mit heissen Öl ganz furchtbar verbrannt hat. Als wir dort waren und für das Kind und die Familie beteten war eine dunkle Wolke über dem Haushalt. Das Gefühl von Schuld war spürbar und tiefer Schmerz. Wir legten Hände auf und beteten im Namen Jesu. Diese Woche war Dörte mit Kollegin dort um Mut zuzusprechen. Dieses mal war schon eine grosse Veränderung zu sehen. Lachen war wieder möglich, das Mädel konnte selber wieder laufen. 


Seit einigen Wochen ist Dörte mit einer kleinen Gruppe von Schwestern aktiv daran Frauen die im Dienst stehen Liebesdienste zu erweisen indem sie Verwöhnnachmittage veranstalten. Der Höhepunkt ist die Fusswaschung. Hier ist Dörte dabei einer Pastorenfrau die Füsse zu waschen. Diese biblische Handlung wird eingebaut in eine ganze Szenerie in der ein Bibliodrama hilft an die tieferen Ebenen des Herzens ranzukommen. Natürlich ist der Raum so geschmückt und dekoriert dass es fast ein Schockerlebnis für jeden ist der in den Raum tritt. Man ist nicht verwöhnt mit schönem, es ist vielfach ein sehr raues Leben. 

Ein raues Leben hat diese som familie hinter sich. Um die ganze Geschichte aufzuschreiben bräuchte ich mehrere Seiten. Ganz kurz skizziert für den Weltflüchtlingstag der heute ist. J., der in Skandinavien lebt bittet mich um Hilfe. Seine Kinder leben in unserer Stadt. Wir laden sie ein, sie fangen an ihre Geschichte zu erzählen. Aus einem ostafrikanischen Nachbarland flieht die Oma der Kinder nachdem die Mutter stirbt. Der Vater der Kinder hat sich zu Fuss Richtung Europa aufgemacht. Die Oma und die Kinder gelangen zu Fuss in ein Flüchtlingslager in Kenia, leben dort zwei Jahre lang. Eines Tages machen sie sich zu Fuss auf um in unsere Stadt zu kommen. Sie folgen den Viehirten mit ihren Herden und leben von Milch bis sie in die Stadt kommen. Sie kennen niemanden. Sie fragen nach bis sie jemanden aus ihrem Clan finden, der sie aufnimmt. Dort leben sie seit 5 Jahren ohne jegliche Papiere oder Status. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus einem durchschnittlichen Flüchtlingsschicksal. Dem Vater der Kinder wurden in Lybien Arme und Beine gebrochen aber irgendwie hat er es geschafft in den hohen Norden zu gelangen. Mal schauen wie es für diese Familie weitergeht. Das wichtigste im moment ist es das 15 jährige Mädchen vor einer Zwangsheirat zu schützen. 

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