Mittwoch, 20. Januar 2016

Tsavo

Was suchst Du- Statistik in Afrika

Kenia, Januar 2016, im größten National Park Kenias zwischen Nairobi und Mombasa. Wir sind in der schönsten Stunde des Tages zwischen 17Uhr und 18:30Uhr mit einer Gruppe in den Park hineingefahren. Die Sonne senkt sich, das Licht bekommt diese Afrika typische orange gelbe Farbe, die Hitze wandelt sich in angenehme Wärme. Die Tiere machen sich wieder auf und kommen aus ihren Verstecken und suchen ein geeignetes Abendessen. Die Gruppe von drei Amerikanern und vier Holländern ist in Hochstimmung: Da, hast du den Roller gesehen? ...Hier ist der Sekretär, endlich sehe ich den Sekretär,... dort seht ihr den Foul?... hier, stop, stop ist der bunte eagle! Der ist ganz selten… da ist ein Kingfischer… dort ein Königsuhu, wow!
Thomas und ich staunen, so viel haben wir in der kurzen Zeit noch nie im Park gesehen. Woran lag das? An den Tieren? Oder am Parkführer? Am Wetter? Wenn wir in den Park fuhren, suchten wir Löwen oder Nashörner oder Büffel. All das haben wir dieses Mal nicht gesehen und trotzdem war die Truppe überglücklich. Es scheint eine ganz einfache Erklärung dafür zu geben: die Gruppe war aufgebrochen, um Vögel zu beobachten. Ein Löwe hätte sie nicht mehr begeistert als eine gelbhalsige Wachtel! Wachteln sind klein, rennen überall herum, sehen sogar bis auf den gelben Hals ziemlich farblos aus. Den Sekretärvogel haben wir auf verschiedenen Fahrten auch schön öfter gesehen, aber haben seine Besonderheit dabei nicht beachtet. Die Roller waren in unserem begrenzten Wissen über Vögel gar nicht vorhanden und so haben wir sie nicht wahrgenommen.

Unser Parkführer fasste es so zusammen: Vogelbeobachter sind ein ganz besonderes Volk, mit denen kannst du andere Strecken fahren und sie freuen sich an ganz anderen Tieren. Mir fiel auf, dass die Wahrscheinlichkeit einen kleinen schönen Vogel zu sehen viel höher ist als einen Löwen im Dickicht zu entdecken und darum die statistische Wahrscheinlichkeit, dass der Suchende beglückt wird viel höher als bei Großwildjägern. Die gute Stimmung in der Truppe hat es bestätigt. Thomas und ich haben gemerkt, seitdem wir mit ihnen unterwegs waren sehen wir viel mehr wunderbare Vögel und sind froh, dass uns die Augen für die kleinen Tiere noch einmal ganz anders geöffnet wurden.
Könnte man daraus die Parallele ziehen, es kommt darauf an, was du suchst? Wofür schulst du dein Auge? Kleine Wunder am Wegesrand? Ein geschultes Auge entdeckt Dinge, die an dem Ungeübten ohne Staunen vorbeigleiten.
Es war auf jeden Fall ein Privileg in dem Auto zu sitzen und diese Freude zu spüren!

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