Dienstag, 19. Januar 2016

Nairobi, Kenia Januar 2016



Nairobi, Anfang Januar 2016


Die Stadt ist ein wahrer Moloch. Um von einer Ecke in die andere zu gelangen muss ich Zeit, viel Zeit einplanen. Der Verkehr ist katastrophal. Stoßstange an Stoßstange, unbarmherzig wird jede noch so kleine Lücke ausgenutzt. Ich passe meinen Fahrstil an um mich fortzubewegen. Aus 2 Fahrstreifen werden vier gemacht, je nach Verkehrsdichte, ich kann froh sein wenn mir die Spiegel nicht abgefahren werden. Warum hab ich mich bloß in dieses Getümmel gestürzt?
Ich bin auf dem Weg um S. und ihre Familie zu besuchen. Es bleibt mir keine andere Wahl als mich durch den Blechdschungel zu kämpfen. Inzwischen ist es dunkel geworden. Hier taucht ein Mensch plötzlich vor mir auf, ich kann gerade noch ausweichen. Alles was sich bewegen kann ist auf der Straße unterwegs. Mopeds und Fahrräder, handgezogene Karren mit schweren Lasten, Fußgänger in allen Richtungen. Die Gefahr schwingt immer mit dass ich im Gewirr jemanden anfahre, davor habe ich Angst. Die Strafen sind unglaublich hart, wenn man in die Hände der Justiz fällt. Ungleich härter aber, falle ich in die Hände der aufgebrachten Menge. Wir schätzen die Kraft des Gebets, vor jeder Fahrt beten wir um Gottes Schutz.
Inzwischen stehe ich vor der Tür unserer Freunde. Heil angekommen, Preist den Herrn. Die Freude ist auf beiden Seiten riesig, wir haben uns seit fast eineinhalb Jahren nicht mehr gesehen. So viel ist aufzuholen. Wir tauschen aus was geschehen ist. Dörte und ich werden in rasender Geschwindigkeit eingestimmt auf ein verändertes Kenia. S. Ehemann wurde eingesperrt weil er aktiv in der Gemeinde mitarbeitet, die aus ehemaligen Muslimen besteht. Allein ihr Aussehen macht sie hier schon als potentielle Terroristen verdächtig. Zwei von ihnen wurden aus dem Gottesdienst heraus abgeführt und ins Gefängnis gesteckt weil ihr äußeres sie als Angehörige eines überwiegend islamischen Stammes preisgibt. Für diese beiden begann eine Odyssee die eine eigene Geschichte wert ist. S. Mann kam nach einigen Tagen wieder aus dem Gefängnis. Danach folgten Umzüge auf Umzüge um ein relativ sicheres Zuhause zu finden wo sie mit ihren 5 Kindern sein können.
Als die beiden ihre Geschichten erzählen, kommen fast beiläufig die tragischen Schicksale ins Gespräch die ihr Leben beschwert haben. Da sind Anschläge auf Christen zu verzeichnen, die den ultimativen Preis kosteten. Während wir zuhören und verstehen was zwischenzeitlich in Kenia geschehen ist, nehmen wir die zunehmende geistliche Reife in unseren soma lischen Geschwistern wahr. Der Druck der von außen kommt hat sie stärker gemacht, sie sind sehr viel mutiger geworden. Sie mussten Farbe bekennen und haben es getan. Ihr Beispiel macht anderen Mut es ihnen gleichzutun und sich nicht länger zu verstecken.
Ich bin sehr stolz auf meine Geschwister, die sich angesichts zunehmender Gewaltbereitschaft noch klarer zu Jesus stellen.

Es ist inzwischen spät geworden als wir uns von der Familie verabschieden. Wir sind längst nicht fertiggeworden mit allen Geschichten die es zu erzählen gäbe. Das ist gut so, wir treffen uns ja bald wieder. Der Verkehr ist abgeflaut, jetzt ist die Fahrt durch Nairobi fast ein Vergnügen und dauert nur halb so lang. 

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