Nairobi, Anfang
Januar 2016
Die
Stadt ist ein wahrer Moloch. Um von einer Ecke in die andere zu
gelangen muss ich Zeit, viel Zeit einplanen. Der Verkehr ist
katastrophal. Stoßstange
an Stoßstange,
unbarmherzig wird jede noch so kleine Lücke ausgenutzt. Ich passe
meinen Fahrstil an um mich fortzubewegen. Aus 2 Fahrstreifen werden
vier gemacht, je nach Verkehrsdichte, ich kann froh sein wenn mir die
Spiegel nicht
abgefahren werden. Warum hab ich mich bloß
in dieses Getümmel gestürzt?
Ich
bin auf dem Weg um S. und ihre Familie zu besuchen. Es bleibt mir
keine andere Wahl als mich durch den Blechdschungel zu kämpfen.
Inzwischen ist es dunkel geworden. Hier taucht ein Mensch plötzlich
vor mir auf, ich kann gerade noch ausweichen. Alles was sich bewegen
kann ist auf der Straße unterwegs. Mopeds und Fahrräder,
handgezogene Karren mit schweren Lasten, Fußgänger in allen
Richtungen. Die Gefahr schwingt immer mit dass ich im Gewirr jemanden
anfahre, davor habe ich Angst. Die Strafen sind unglaublich hart,
wenn man in die Hände der Justiz fällt. Ungleich härter aber,
falle ich in die Hände der aufgebrachten Menge. Wir schätzen die
Kraft des Gebets, vor jeder Fahrt beten wir um Gottes Schutz.
Inzwischen
stehe ich vor der Tür unserer Freunde. Heil angekommen, Preist den
Herrn. Die Freude ist auf beiden Seiten riesig, wir haben uns seit
fast eineinhalb Jahren nicht mehr gesehen. So viel ist aufzuholen.
Wir tauschen aus was geschehen ist. Dörte und ich werden in rasender
Geschwindigkeit eingestimmt auf ein verändertes Kenia. S. Ehemann
wurde eingesperrt weil er aktiv in der Gemeinde mitarbeitet, die aus
ehemaligen Muslimen besteht. Allein ihr Aussehen macht sie hier schon
als potentielle Terroristen verdächtig. Zwei von ihnen wurden aus
dem Gottesdienst heraus abgeführt und ins Gefängnis gesteckt weil
ihr äußeres sie als Angehörige eines überwiegend islamischen
Stammes preisgibt. Für diese beiden begann eine Odyssee die eine
eigene Geschichte wert ist. S. Mann kam nach einigen Tagen wieder aus
dem Gefängnis. Danach folgten Umzüge auf Umzüge um ein relativ
sicheres Zuhause zu finden wo sie mit ihren 5 Kindern sein können.
Als
die beiden ihre Geschichten erzählen, kommen fast beiläufig die
tragischen Schicksale ins Gespräch die ihr Leben beschwert haben. Da
sind Anschläge auf Christen zu verzeichnen, die den ultimativen
Preis kosteten. Während wir zuhören und verstehen was
zwischenzeitlich in Kenia geschehen ist, nehmen wir die zunehmende
geistliche Reife in unseren soma lischen Geschwistern wahr. Der
Druck der von außen kommt hat sie stärker gemacht, sie sind sehr
viel mutiger geworden. Sie mussten Farbe bekennen und haben es getan.
Ihr Beispiel macht anderen Mut es ihnen gleichzutun und sich nicht
länger zu verstecken.
Ich
bin sehr stolz auf meine Geschwister, die sich angesichts zunehmender
Gewaltbereitschaft noch klarer zu Jesus stellen.
Es
ist inzwischen spät geworden als wir uns von der Familie
verabschieden. Wir sind längst nicht fertiggeworden mit allen
Geschichten die es zu erzählen gäbe. Das ist gut so, wir treffen
uns ja bald wieder. Der Verkehr ist abgeflaut, jetzt ist die Fahrt
durch Nairobi fast ein Vergnügen und dauert nur halb so lang.
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