Was
suchst Du- Statistik in Afrika
Kenia,
Januar 2016, im größten National Park Kenias zwischen Nairobi und
Mombasa. Wir sind in der schönsten Stunde des Tages zwischen 17Uhr
und 18:30Uhr mit einer Gruppe in den Park hineingefahren. Die Sonne
senkt sich, das Licht bekommt diese Afrika typische orange gelbe
Farbe, die Hitze wandelt sich in angenehme Wärme. Die Tiere machen
sich wieder auf und kommen aus ihren Verstecken und suchen ein
geeignetes Abendessen. Die Gruppe von drei Amerikanern und vier
Holländern ist in Hochstimmung: Da, hast du den Roller gesehen?
...Hier ist der Sekretär, endlich sehe ich den Sekretär,... dort
seht ihr den Foul?... hier, stop, stop ist der bunte eagle! Der ist
ganz selten… da ist ein Kingfischer… dort ein Königsuhu, wow!
Thomas
und ich staunen, so viel haben wir in der kurzen Zeit noch nie im
Park gesehen. Woran lag das? An den Tieren? Oder am Parkführer? Am
Wetter? Wenn wir in den Park fuhren, suchten wir Löwen oder
Nashörner oder Büffel. All das haben wir dieses Mal nicht gesehen
und trotzdem war die Truppe überglücklich. Es scheint eine ganz
einfache Erklärung dafür zu geben: die Gruppe war aufgebrochen, um
Vögel zu beobachten. Ein Löwe hätte sie nicht mehr begeistert als
eine gelbhalsige Wachtel! Wachteln sind klein, rennen überall
herum, sehen sogar bis auf den gelben Hals ziemlich farblos aus. Den
Sekretärvogel haben wir auf verschiedenen Fahrten auch schön öfter
gesehen, aber haben seine Besonderheit dabei nicht beachtet. Die
Roller waren in unserem begrenzten Wissen über Vögel gar nicht
vorhanden und so haben wir sie nicht wahrgenommen.
Unser
Parkführer fasste es so zusammen: Vogelbeobachter sind ein ganz
besonderes Volk, mit denen kannst du andere Strecken fahren und sie
freuen sich an ganz anderen Tieren. Mir fiel auf, dass die
Wahrscheinlichkeit einen kleinen schönen Vogel zu sehen viel höher
ist als einen Löwen im Dickicht zu entdecken und darum die
statistische Wahrscheinlichkeit, dass der Suchende beglückt wird
viel höher als bei Großwildjägern. Die gute Stimmung in der Truppe
hat es bestätigt. Thomas und ich haben gemerkt, seitdem wir mit
ihnen unterwegs waren sehen wir viel mehr wunderbare Vögel und sind
froh, dass uns die Augen für die kleinen Tiere noch einmal ganz
anders geöffnet wurden.
Könnte
man daraus die Parallele ziehen, es kommt darauf an, was du suchst?
Wofür schulst du dein Auge? Kleine Wunder am Wegesrand? Ein
geschultes Auge entdeckt Dinge, die an dem Ungeübten ohne Staunen
vorbeigleiten.
Es
war auf jeden Fall ein Privileg in dem Auto zu sitzen und diese
Freude zu spüren!