Wer spricht denn da?
In einem meiner Andachtsbücher werde ich darauf aufmerksam gemacht, auf meine Umgebungsgeräusche zu hören. Es ist 5:30 am morgen, ich versuche eine Zeit der Stille zu haben um Stärkung von Gott zu erhalten. Für die Dinge zu beten, die heute anstehen und um mein Leben auf Ihn auszurichten.
Komplett umgeben von Moscheen, man schätzt dass die Zahl bei weit über 300 liegt. Jede Moschee verfügt über ein PA- System das den Ruf des Muezzin weit hinaus projiziert. Nach dem Ruf zum Gebet indem das inzwischen sehr bekannte Wort "Allahu Akbar" oftmals wiederholt wird, kommt eine Rezitation des Koran. Es entsteht eine Kakophonie gemischt mit der stark befahreren Strasse an der wir leben. Diese Strasse führt zum Tana Fluss, der Lebensader für die wasserarme Gegend. Hunderte von LKW's mit Wassertanks fahren nur 5 Meter an unserem Haus vorbei. Es sind nicht die schadstoffarmen Laster. Viele der trucks sehen aus wie diese auf den Bildern.
Manche von ihnen müssen noch aus den 50 er Jahren des letzten Jahrhunderts stammen. Der Schadstoffausstoss und die Lärmbelästigung wurde damals noch nicht so beachtet.
Unser Grundstück teilen wir uns nicht nur mit netten Nachbarn, sondern auch mit einem Hühnerstall, der mehrere hundert heranwachsende Hähne beherbergt. Der Wettkampf um den lautesten Hahnenschrei beginnt schon um 3:30 morgens. Der Austragungsort ist ebenfalls nur wenige Meter vom Schlafzimmerfenster entfernt.

Wenn dann mal eine kleine Pause im Wettkampf um die Lautstärke eintritt, hört man sogar die Zikaden draussen im Gebüsch vor dem Haus. Dann gibt es noch ein weiteres Geräusch das die Umgebung Afrikas enorm verändert hat. Das kommt von dem allgegenwärtigen "piki piki", dem Motorradtaxi. Vor Jahren schon wurden die billigen chinesischen Motorräder eingeführt. Sie haben das Transportwesen wahrscheinlich in allen Teilen Afrikas revolutioniert. Mit ihnen wird einfach alles und überall hin transportiert. Von Kohle zu lebendigen Ziegen. Natürlich Menschen aller Altersgruppen, oftmals 4 Personen auf einem Gefährt, selbstverständlich ohne Helm und meist auch ohne Licht. Um sich nachts besser bemerkbar zu machen ist die Hupe auf Dauerbetrieb gestellt. Gerne wird auch der Auspuff abgebaut damit man besser wahrgenommen wird.

Das war nur ein kleiner Ausschnitt aus der uns umgebenden Geräuschkulisse während das Herz einen Moment der Stille sucht um am morgen den Tag mit Gott zu beginnen. Manchmal schaffe ich es die Geräusche auszublenden. Manches mal geht das aber nicht. Die Töne werden zu Peinigern. Wie schön ist es aber dann wenn die Stimme Gottes dennoch durchkommt und tröstend zu mir spricht.
Einen schönen und gesegneten Sonntag
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