Hier ist Mary mit ihrem smartphone, sie erklärt einige Details die für diese Beschneider wichtig sind. Das Ziel ist ja dass solche Praktiken mehr und mehr der Vergangenheit angehören und als unnötig, weil zerstörerisch abgelegt werden. Das muss aber erst erkannt werden. Aufklärung ist also ein ganz wichtiger Schritt. Die Regierung hat schon lange mit Gefängnis bis zu 20 Jahren gedroht für die, die dabei erwischt werden. Leider ist diese Praxis noch immer sehr tief in der Kultur verankert.
Inzwischen gibt es ermutigende Initiativen von Männern die sich gegen diese uralte Praxis wehren und öffentlich dagegen sprechen. Auf twitter gibt es eine Aktion die verfolgt werden kann #menendfgm. Es gibt Hoffnung, dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung aufwacht und das Wohl der Mitbürger an die erste Stelle setzt. Das Leben in diesen Dörfern ist schon hart genug und es ist schmerzhaft zu sehen wie zusätzlich Leid zugefügt wird.
Am Anfang der Seminarwoche wurde uns gesagt dass das blosse Erwähnen von Sexualorganen dazu geführt hat dass man ausgepeitscht wurde und aus dem Dorf gejagt wurde. Zum Glück ist uns das erspart geblieben. Im Gegenteil, das Interesse war so gross, die Menschen wollten aufgeklärt werden und brachen sich los von ihren althergebrachten Tabu's. Keiner von uns wurde ausgepeitscht.
Durch Rollenspiele und viel interaktivem Lernen brach das Eis sehr schnell und wir kamen an die Herzen und das was die Menschen bewegt, ran. Es ist immer ein besonderes Geschenk wenn die teams aus Kijabe noch mit Ärzten dazukommen. Die Fau ganz links ist eine kenianische Ärztin die durch ihre privilegierte Form des Aufwachsens fast komplett vergessen hat, wie Menschen in den Dörfern leben und welche Vorstellungen in den Köpfen herrschen. Sie hat es aber gut hingekriegt, medizinische Zusammenhänge so runterzubrechen dass es auch die Person mit zero formaler Ausbildung verstehen konnte.
Direkt nach der Woche im Dorf waren wir eingeladen an einem Ort etwa 300 km flussabwärts dem Tana Fluss. Dort trafen 1887 die ersten deutschen Missionare der Neukirchener Mission ein und haben mit Unterbrechungen fast 100 Jahre lang dieses Dorf Ngao geprägt. Die Dankbarkeit den deutschen Missionaren gegenüber war unglaublich tief. Hier bin ich am predigen am Sonntag in der Kirche, die von den deutschen vor langer Zeit erbaut wurde.
Der junge Mann rechts ist Dr. Peter Kimani. Er schrieb seine Doktorarbeit über jene deutschen Missionare. In seiner Dissertation beschreibt er den Einfluss der deutschen Missionsbemühungen auf Bildung und Wohlstand über mehrere Generationen in der Küstenregion. Er hat über 3 Jahre lang intensiv geforscht und hinterlässt der Nachwelt ein wichtiges Dokument.
Der König des Stammes der Pokomo ist der nette Herr zur linken. Er hat uns Audienz gewährt und wir durften mit ihm einige Zeit verbringen. Er ist selber durch die Schulen gegangen, die von den deutschen aufgebaut wurden. Der ganze Stamm ist schon früh im 20. Jahrhundert geschlossen zum christlichen Glauben übergetreten und bis heute ist das geistliche Leben immer noch aktiv und ansteckend. Vor allem wenn die Gemeinde anfängt, die alten Lieder zu singen ist eine Lebensfreude zu spüren die uns beide sehr berührt hat.
Vor allem im Kontrast zu den Dörfern flussaufwärts, die ich anfangs beschrieben habe, ist der befreiende Einfluss der christlichen Botschaft auch nach mehr als einem Jahrhundert sehr stark zu spüren.








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