Samstag, 30. April 2016

Die Kathedrale von Mogadishu - ein Fallbeispiel

Mogadishu - die Perle Ostafrikas


Die Kathedrale von Mogadishu zur Zeit der italienischen Herrschaft


So in etwa sieht die Kathedrale heute aus, fast vollständig zerstört

So wurde die Hauptstadt Somalias bis zum Beginn des verheerenden Bürgerkriegs bezeichnet. Weit davon entfernt ist das Bild das sich dem Betrachter heute bietet.

Die Geschichten werden komplexer

Wie erzähle ich weiter meine Geschichten ohne andere Menschen in Gefahr zu bringen? Die Natur unserer Arbeit erfordert Sensibilität. Es ist eine Gradwanderung zwischen Information, die Freunde mit uns in Verbindung hält und dem Schutz unserer Freunde hier im Land, die im Fadenkreuz ihrer Feinde stehen. Sie werden anvisiert weil sie nicht nur klar zu ihrem Glauben stehen sondern weil sie in Leiterschaftspositionen sind. 
Es passiert so vieles, leider kann ich die interessanten Geschichten nicht alle im Internet preisgeben. Ich hoffe dass es mir gelingt Geschichten in der Zukunft so dazustellen dass sie anonym genug bleiben und dennoch verstanden werden. 
Unser Leben ist in einem komplexen Geflecht von Beziehungen eingebettet. Nur kleine Ausschnitte kann ich rausnehmen und versuchen zu beschreiben. 

Pioniere am Horn von Afrika

Letzte Woche auf einer Konferenz waren wir mit Menschen aus verschiedenen Nationen zusammen um gemeinsam aus der Geschichte unseres Volkes zu lernen. Mein früherer blogeintrag: "Pioniere in Ostafrika" erzählt von der Anfangszeit der Mission in Kenia im ausgehenden 19. Jahrhundert. Fast zeitgleich fingen schwedische evangelische Missionare an die Gegend um Mogadishu zu evangelisieren. Weiter oben im Norden wurden römisch-katholische Priester und Nonnen aktiv. Es war von Anfang an schwer, viele der ausländischen Botschafter des Evangeliums verloren ihr Leben. Mussolini, der italienischen Diktator sorgte in den 30er Jahren dafür, dass alle Vertreter anderer Nationen das Land verlassen mussten. (Somalia war italienische Kolonie). 
Die 50er und 60er Jahre sahen eine relative Offenheit bis der ehemalige Diktator Siyad Barre durch einen Militärputsch die Macht übernahm und schon bald dafür sorgte dass wieder alle evangelistische Arbeit zum Erliegen kam. Von da an ging das ganze Land immer mehr dem Abgrund entgegen. Ein verheerender Krieg mit Äthiopien kostete ein Drittel der somalischen Armee zum Ende der 70er Jahre. In den 80er Jahren bahnte sich das Ende des Regimes an, 1991 kam es zur Flucht des Diktators Barre. Die Rebellengruppen die damals den Sturz Barres herbeigeführt hatten, wurden nun zu erbitterten Feinden und kämpften um die Vorherrschaft in der Hauptstadt, der ehemaligen Perle Ostafrikas. Unsagbares Leid ist seitdem über dieses Volk gekommen. Millionen von Flüchtlingen sind über die ganze Welt verstreut. Im Land selbst haben sich Verbrecherbanden über die Jahre die Klinke die Hand gegeben, zum jetzigen Zeitpunkt ist es die gefürchtete Splittergruppe von al-qaida, mit dem Namen, al-shabab. (Es bedeutet in arabisch; die Jugendlichen)
Die Regierung des Landes kontrolliert immer noch nur einen kleinen Teil des Landes. Noch immer ist es ein Gebiet das nur unter schwersten Bedingungen und extremen Sicherheitsmassnahmen bereist werden kann. (Schutzgeld für eine weisse Person pro Tag nicht unter 500$)
Die ganze Region am Horn von Afrika wurde durch den Super GAU in Somalia destabilisiert. Der inzwischen 25 Jahre zurückliegende "total meltdown of law and order" der totale Zusammenbruch von Recht und Ordnung, ist seit langem aus dem Bewusstsein der Weltöffentlichkeit verschwunden. Der eine oder andere Flüchtling aus Somalia, der sich zwischen die vielen Syrern, Irakern und Afghanen mengt, erinnert an die sich immer noch abspielende Katastrophe im Horn von Afrika.

Einfluss auf die Kirche

Die Menschen, denen wir täglich begegnen und Hoffnung geben, kommen aus dieser von Hoffnungslosigkeit gezeichneten Region. Die grosse Mehrheit leidet unter mehr oder weniger deutlichen Anzeichen von Posttraumatischen Störungen, sind krank, haben nur das eine Ziel: sie wollen in den Westen weil sie Hoffnung auf ein zu Hause längst aufgegeben haben. In diesem Kontext erleben wir Gemeindebau und Evangelisation. Der Wahrheitsbegriff ist nur sehr vage definiert, dementsprechend schwer ist es zu wissen, wem man wie weit vertrauen kann und darf. Der Überlebensdrang, die Resilienz führt zu ganz erstaunlichen Leistungen. Allerdings treffen oftmals die Wertvorstellungen von Menschen aus dem geordneten Westen mit denen, die jahrzehntelang im absoluten Chaos gelebt haben, so zusammen dass es knallt. Enttäuschungen geschehen oft und sind tief, das sicherlich auf beiden Seiten. 
Nur zu oft geschieht es dass wichtige Personen, Christen aus Somalia von denen es ohnehin nur sehr wenige gibt, aus dem Geschehen gerissen werden, sei es durch Umsiedlung mittels UN in ein sicheres Land oder durch gewaltsame Aktionen die oft einer Hinrichtung gleichen. Lang ist die Liste von Märtyrern, einige von ihnen kannten wir sehr gut. Immer wieder kommen neue, tapfere, leidensbereite junge Männer und Frauen hinzu, die bereit sind mit ihrem Leben einzustehen und sich für den Bau der Gemeinde Jesu zur Verfügung zu stellen. Auch auf die Gefahr hin dass es ihr Leben kosten kann.
Wir können nur auf das Wort des Herrn selber vertrauen, der sagt dass Er selber es ist, der seine Gemeinde baut, allen Widerständen zum Trotz. 

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