Samstag, 24. Oktober 2020

Rundbrief Oktober 2020

 

Egal wo auf der Welt Corona hat(te) uns alle fest im Griff

G-town 21. Oktober 2020
Ihr Lieben, Verwandte und Freunde

 

"Hoffnung"- die junge Frau vom Fluss
Hope-Hoffnung kommt aus dem kleinen Dorf Ngao im Delta des grossen Tanaflusses. Letzte Woche lernten wir sie ein Stück flussaufwärts in dem Städtchen  Hola kennen. Die 21-jährige Missionarin arbeitet unter den muslimischen Nachbarstämmen. Vor mehr als 130 Jahren kamen die ersten Missionare der Neukirchener Mission über die Insel Lamu durch das kleine Kolonialgebiet Witu entlang der ostafrikanischen Küste in diese Region. In Ngao fingen sie an die Missionsstation, Kirche, Krankenstation und Schule aufzubauen. Schon nach relativ kurzer Zeit waren ihre Bemühungen erfolgreich. Der Pokomostamm entschied sich einmütig dem Gott der Christen nachzufolgen und die alten Praktiken aufzugeben. Hope ist von der gleichen Hoffnung erfüllt, die damals die Missionare vom Niederrhein bewegt hat ihre Heimat zu verlassen, um Jesus zu verkündigen. Uns hat es so ermutigt eine Person zu treffen, die strahlend ein Stück deutscher Missionsgeschichte in unserer Gegend Ostafrikas verkörpert! Es ist eine Freude und Herausforderung zugleich, zu sehen was unsere Vorgänger geleistet haben.


 



 

Was geht noch, wenn nichts mehr geht?
Corona kam mit Versammlungsverbot - geschlossene Kirchen. Für Pastoren ist das am Sonntag eingelegte Opfer oft die einzige Einnahmequelle. Plötzlich war sie versiegt. Kenianische Missionarskollegen waren gleichermassen betroffen, weil ihre sendenden Kirchen ebenfalls weder Einnahmen noch Reserven hatten. Mit Lebensmitteln griffen wir über 80 Familien unter die Arme. Sätze wie: " ... Gott hat sich unser erbarmt!", haben uns angespornt!
Eine andere Initiative, die noch ging als nichts mehr ging, kam von den kenianischen Kollegen: Lehmhäuser bauen. Draussen an der frischen Luft haben wir Lehm gestampft und so sind Häuser für Pioniermissionare entstanden. Die roten Tüten auf dem Bild sind keine Weihnachtstüten sondern Nahrungsmittel für HIV positive, die wir kennengelernt haben.  
Wenn nichts mehr geht, steigt der Stresslevel. Wir adressieren das Thema "Umgang mit Stress" für Pastoren und Leiter in einem eintägigen workshop. Während des Tages wird fast jedem klar, wie sehr Corona und die extra Unsicherheiten uns doch beeinflussen. Wir brauchen Gemeinschaft. Gemeinsam die Dinge mit Gott zu besprechen löst schon so manchen Knoten.
Zur Zeit sind die Corona Restriktionen gelockert und es ist wieder möglich Besucher aus Kijabe zu empfangen. Dr. Peter aus England probiert mit uns einen neuen Ansatz aus: 'Uliza Daktari' - 'frag den Arzt', ist eine Einladung an die Bevölkerung zu einem offenen Forum, in dem medizinische Fragen gestellt werden können. Dieses mal: nur für Männer, nächstes mal kommt eine Ärztin, dann nur für Frauen.
 

 

 


 

Gottes Spuren entdecken
Zu Beginn der  Coronazeit  entwickelten sich schöne Beziehungen mit unseren Somalinachbarn. Der junge Anwalt von nebenan kam immer öfter mal rüber zu uns, war interessiert an unserer Geschichte. Er ist ein passionierter Schriftsteller und sammelt Geschichten und möchte sein Talent nutzen kulturelle Praktiken, die nicht gesund sind, vor Augen zu malen und verändern. Davon gibt es einige, die er schon in kurzen Geschichten thematisiert hat.  
Bewegung im Team
Nach mehr als 2 Jahren bei ins im Team konnte Louise zu ihrem Heimataufenthalt aufbrechen. Das internationale Team ist nun auf uns zwei geschrumpft, aber das nationale Team hat sich dafür vergrössert. Wir arbeiten eng mit unseren kenianischen Kollegen zusammen und erleben das als sehr ermutigend. Wir hoffen, dass ab Januar wieder drei medizinische Ausbilder (Anesthesie und Notfall medics) aus Kijabe zu unserem Team in G-town dazu stossen werden. Die Leiter von Kijabe Krankenhaus haben die Initiative ergriffen und ihre Besuche in den nächsten Wochen angemeldet. Das sollen  klare Zeichen sein, dass wir als Kijabe weiterhin zu unserem Wort stehen und das gleiche von der county Regierung erhoffen, um den Menschen dieser Stadt im Sinne von Christus zu dienen, getreu nach unserem Kijabe Motto: Gesundheitsversorgung zu Gottes Ehre - Health care to God's glory. 
Hauskirchenbewegung
Der ganze Küstenstreifen und der Nordosten des Landes sind seit vielen Jahrhunderten vom Islam geprägt. Das ist für die Kirche eine echte Herausforderung. Religiöse Verfolgung von Christen ist eine traurige Realtität, der wir oft gegenüberstehen. Für die, die Jesus kennenlernen und Ihm folgen wollen ist das Konzept "Hauskirche" in der Regel die einzige Alternative. Einen "normalen" Gottesdienst zu besuchen ist leider auch in einem säkularen Staat wie Kenia für ehemalige Muslime nicht möglich. Die Kirche steht vor der Frage, wie sie ihren Auftrag für diese Region wahrnehmen  und wie das Konzept "Kirche" aussehen kann. Einige Pastoren hier in unserer Stadt  liessen sich in dieser "Corona lockdown" Zeit herausfordern. Können Gottesdienste, die in den Häusern in kleinen Gruppen abgehalten werden, neue Möglichkeiten für Nachbarn bringen? Viele unserer Nachbarn hier würden keinen Fuss in ein Kirchengebäude setzen, aber kommen gerne zum Tee ins Nachbarhaus.

 

Erneute Meldung von Krankheit und Tod
Anfang des Jahres mussten wir den Tod von Thomas' Vater beklagen und schon im Juli erhielten wir den Bericht dass es Thomas' Mutter gar nicht gut geht. Wir entschieden uns, coronabedingt, gegen eine Reise nach Deutschland obwohl auch ihr Krankheitsbefund auf ein schnelles Ende schliessen liess. Und so war es, dass sie innerhalb von wenigen Wochen nach Diagnose heimging. Wir konnten virtuell beim letzten Abendmahl am Sonntag dabei sein. Am darauf folgenden Donnerstag (13.8), nachdem Hanna-Joy und Joas Benjamin noch Gelegenheit hatten sie zu sehen, wurde auch sie in die Ewigkeit abberufen. Am 17.August, genau ein halbes Jahr nach Vater's Tod, wurde sie neben ihrem Mann beerdigt. Sie konnten beide auf eine lange Ehe von 60 Jahren zuückblicken. Um uns innerlich zu verabschieden, fuhren wir zu einem abgelegenen Häuschen am Tana Fluss. Dort nahmen wir uns eine Trauerzeit, um noch einmal in Dankbarkeit das Leben von Mutter zu reflektieren. 

 

"Was machen denn Hanna-Joy und Joas Benjamin?"
Joas Benjamin hat im Frühjahr erfolgreich sein Physikum bestanden. Er wollte ja gerne eine Famulatur in Kijabe machen, natürlich ging das wegen Corona nicht. Gunzenhausen, ein Krankenhaus im ländlichen Franken bot ihm aber eine schöne Alternative und die Gelegenheit zu den  Wurzeln seiner Ahnen zurückzukehren. Für ihn geht es jetzt in die nächste Runde wieder in Düsseldorf. 
Hanna-Joy hat gerade vor ein paar Wochen ihren Masters Abschluss in "Global Urban Health" an der Uni Freiburg abgelegt. Sie war während ihrer schriftlichen Arbeit, Teil unseres teams. Ihre Supervisorin war Dr. Mary Adam, unsere Direktorin. Das Forschungsthema ging um die Rolle der Freiwilligen Arbeit, wenn es um bessere Gesundheitsversogung in Kenia geht. Sie war sozusagen virtuell in Kenia und konnte durch viele zoom Gespräche und whatsapp Anrufe die Distanz von fast 8000 Kilometern ganz gut bewältigen. Die nächsten Monate wird sie bei den Maltesern als Rettungssanitäter arbeiten und nach weiteren Schritten Ausschau halten. 




 



 

Ein Herzliches Dankeschön an Euch alle, die Ihr an uns denkt, für uns betet und uns mit Gaben unterstützt, so dass wir diese Arbeit hier tun können. 
Wir grüssen Euch mit dem Wort das uns hier in der Arbeit Hoffnung gibt und auch in Durststrecken weitermachen lässt: Das Wort kommt aus dem Buch des Propheten Habakuk im Alten Testament:
Kapitel 2,14: Denn die Erde wird voll werden von Erkenntnis der Ehre des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt. 

 

Mit dem untenstehenden link kommt Ihr auf unseren blog dem wir mindestens einmal im Monat ein neues Gesicht geben.  

 

 

Wir grüssen Euch sehr herzlich aus G-town in Kenia

Eure Dörte und Thomas Renner

 

Kontaktdaten:

Thomas und Dörte Renner
tdrenner@t-online.de
Online Spenden
www.velberter-mission.de
Handy: +254711749698 (Thomas)
Handy: +254705055866 (Dörte)
www.tommesunddoortje.blogspot.com

Bankverbindung:

Velberter Mission e.V.
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BIC: BFSWDE33XXX
IBAN: DE85370205000001359900
Verwendungszweck:
Projekt 550 Renner
oder Projekt 553 Dorfgesundheit




Wir sind ausgesandt durch die VM International und seit 1999 in Kenia 

 

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Interessiert an dem was Thomas und Dörte in Kenya tun.

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Freitag, 9. Oktober 2020

Rückkehr ins "normale" Leben

 

Fast unmittelbar mit der Lockerung der Corona Restriktionen waren wir als Team wieder losgezogen um in der Community in der wir gepflanzt sind, Seminare abzuhalten und uns als Gegenüber und Nachbarn zu zeigen. Neben dem Garissa county liegt der Tana River county. Der erstreckt sich über viele hundert Kilometer entlang des Tana Flusses fast bis zum indischen Ozean. Vor etwa 120 Jahren kamen in den Deltabereich des Tana Flusses die ersten Missionare aus Deutschland an. Sie waren von der Neuenkirchner Mission. Einer der Nachfahren dieser ersten Früchte der Missonare von damals ist dieser hochgewachsene gentleman, dem wir gerade eine Urkunde überreichen. 

Durch Rollenspiele konnten wir viele Themen die für Pastoren und Kirchenleiter wichtig sind, darstellen. Der Stress, dem diese Menschen ausgesetzt sind, muss angesprochen werden. Nur so können die Helfer auch langfristig ihren Kirchenmitgliedern helfen. Im Anspiel wird eine Seelsorgesitzung nachgespielt. Und wie sie idealerweise aussehen könnte. Die Anspiele haben erstaunlich lebhafte Reaktionen hervorgerufen.
Immer wieder faszinierend zu sehen wie wichtig Urkunden in diesen Kulturen sind. Es ist immer ein Anreiz wenn bei den Vorbereitungen klar gemacht wird dass es am Ende des Seminars auch ein Zertifikat geben wird. Daneben ist ein gutes Mittagessen wichtig das natürlich der Gast bezahlt und nicht der Gastgeber. Über die Jahrzehnte hat sich eine Kultur der Abhängigkeit von Organisationen entwickelt die wir gerne ändern würden. So lehnen wir von vornherein ab, die Teilnehmer mit Geld am Ende des Seminars zu entlassen, obwohl das die gängige Verhaltensweise von anderen Organisationen ist. 
In unseren Seminaren für die Pastoren geht es um den Aufbau von Resilienz in Zeiten von Stress. Der Höhepunkt für uns alle der Gang zum Kreuz von Jesus. Nachdem die Teilnehmer ihre Zeit allein vor dem Herrn hatten kam anschliessend eine Zeit des Austausches und gemeinsamen Gebets. Danach kam die Einladung aus Matthäus 11:28, Kommt her zu mir alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Die Einladung wurde freudig aufgenommen. Was auch immer sie auf ihre Zettel aufschrieben nahmen wir und brachten es vor das Kreuz Jesu. Danach gab es ein Feuerchen und in diesem symbolischen Akt liessen wir sie vor dem Herrn am Kreuz. Das war bewegend und beeindruckend weil jeder mit seinem Paket in das Seminar kam und Hilfe suchte. 

Zum Thema Aufbau von Resilienz: ich hatte vor einigen Wochen mein mountainbike mit nach Gsa genommen und die ersten touren gemacht. Es tut gut sich auszupowern und die Landschaft aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Bis zum nächsten mal.