Montag, 2. August 2021

Wenn Hilfe wirklich ankommt

Wunderschön ist es, wenn wie vor ein paar Wochen ein Team aus Kijabe zu uns kommt und sich von ganzem Herzen in die Arbeit hineinwirft und ohne Anzeichen von Müdigkeit bis spät in die Nacht arbeitet. Mit der Motivation, den Menschen die am meisten Hilfe brauchen, das zu geben was kein anderer bereit ist ihnen zu geben. 

Das Team von Bethany Kids, 5 junge Männer, kam mit Landcruiser plus Anhänger, voll geladen mit Einzelteilen für Rollstühle. In Fliessbandarbeit wurden die Rollstühle zusammengebaut während der Physiotherapeut die endlos scheinende Reihe von Menschen mit allen Arten von Behinderungen examinierte, diagnostizierte und Mass nahm um für jeden den richtigen Rollstuhl bereitzustellen. Für uns faszinierend zu beobachten wie gleichmässig und geduldig er jeden einzelnen behandelte. Ob Kleinkind bis hin zum Greisen, alle erhielten volle Aufmerksamkeit auch wenn die am Ende der langen Schlange ungeduldig wurden. 

Ich kann nur erahnen, was es für die junge Mutter bedeutet, nach langer Zeit die 8 oder zehnjährige Judy nicht mehr länger auf dem Rücken tragen zu müssen. 

In diese Zeit fiel auch die Fastenzeit der Muslime, die mit dem wohl grössten Fest im Islam endet. Das Eid al-Adha. An diesen Festtagen erinnert sich die islamische Umma an den Propheten Ibrahim der kurz davor war, seinen Sohn Ismail zu opfern. Allah aber, in seiner Barmherzigkeit hat einen Bock gesandt, der dann an Stelle von Ismail geschlachtet wurde. Diese Geschichte ist so nah an der biblischen Erzählung und doch so weit davon entfernt. Ist es doch Isaak der von seinem Vater Abraham geopfert werden sollte. Auch hier ist die Ähnlichkeit verblüffend. Gott sandte einen Bock, der sich im Gebüsch mit seinen Hörnern verfing. Noch bevor Abraham das unerhörte tun konnte, gebot Gott ihm Einhalt und stellte das Tieropfer zur Verfügung. Anhand dieses Ereignisses in der Bibel kann das Evangelium auf ganz wunderbare Weise erklärt werden. 

Wir wurden an diesem Eid grosszügig mit der Schulter einer Kuh beschenkt. Unsere Kollegen zerlegen hier das Fleisch in schöne grillbare Einzelteile. Einige Stunden später schon geschieht das was uns immer wieder amüsiert und erfreut. Fleisch in gegrillter Form, wir nennen es "nyama choma", also verbranntes Fleisch, löst eine schier unglaubliche Freude aus. 

 
Ab und zu hilft nur eines: einfach mal raus hier. Die Landschaft hier hat auch ihren Reiz. Es ist zwar weit und breit kein Ozean und keine Erhebung die einem Berg gleicht. Aber es ist der afrikanische Busch mit seinen weit ausladenden Akazienbäumen die dazu einladen unter ihnen eine Matte auszubreiten und sich zu lagern. Wenn sich eine Gelegenheit bietet tun wir das, wir sind dann weit weg vom Stadtlärm. Das Blöken der Schafe und Ziegen dringt mal ans Ohr aber ansonsten ist es einfach ruhig und friedlich. 

"Membercare" - das Thema hat uns über viele Monate beschäftigt. Viele Männer in unserem Bekanntenkreis erleben viele Stresspunkte, sei es finanzieller Art oder einfach Druck der sich im Dienst aufbaut. Ein Ansatz den wir auch im letzten Jahr schon gefunden haben, war "Psychological First Aid" - oder Psychologische Erste Hilfe. Wie erkenne ich Stress und was kann ich tun um gut mit Stress umzugehen? Diese und ähnliche Fragen waren Teil unseres "mental health" workshops. Selbstverständlich waren Spiele auch ein Teil um Lerneffekte zu erzielen. 
Bis die Tage wieder, Gottes Segen



Sonntag, 27. Juni 2021

Besuch von Hanna-Joy

Joas Benjamin war ja etwa 3 Wochen bei uns und nicht allzulange danach machte sich Hanna-Joy auf den Weg nach Kenia. Es war eine richtig schöne bunte Zeit mit ihr. Wir waren 2 Wochen zusammen mit ihr in Garissa wie die Wüstenbilder zeigen. 

Wenn Besuch kommt muss geschlachtet werden. Entweder eine Ziege oder hier in unserem Falle waren es die Hähne aus der Nachbarschaft die dem Messer zum Opfer fielen. Natürlich ist normalerweise nicht der Gast der das schlachten übernimmt sonder die Gastgeber. In unserem Falle haben wir das ganze umgedreht und haben Hanna-Joy das Vorrecht überlassen das Messer an der rechten Stelle anzusetzen. Die ganze Aktion vom Schlachten zum Rupfen bis zum Kochen war eine sehr schöne gemeinsame Aktion mit Nachbarn und Freunden. 

Natürlich war die Zeit viel zu kurz aber dennoch lang genug um die Orte zu besuchen die in ihrem Leben wichtig sind. Dazu gehört Kijabe und der Ausblick auf den Mount Longonot an dem man sich nie satt sehen kann. Auch Naivasha, der Ort mit dem ganz besonderen Klima nicht weit von Kijabe im Tal des grossen Rift Valley stand auf der Liste der Orte die wir unbedingt gemeinsam besuchen wollten. 

Auch wenn wir nicht als ganze Familie zur gleichen Zeit zusammen sein konnten war es trotzdem etwas ganz besonderes, beide Kinder in diesem Jahr bei uns zu haben. Trotz Corona Reiseeinschränkungen hat das alles trotzdem gut funktioniert. 
Louise kam am Wochenende aus ihrem Heimataufenthalt in Südafrika nach 10 Monaten zurück. Wieder mussten Hähne sterben um der Wiedersehensfreude einen würdigen Rahmen zu geben. Das schöne am Leben hier ist dass ganz viel Leben draussen im Freien stattfindet. Sowohl das Kochen als auch das Essen besonders bei Feiern ist recht einfach. Es werden Matten ausgebreitet und ganz oft wird ohne Besteck gegessen. Das macht den Abwasch auch etwas einfacher. 
Und wie so ganz oft sind wir in workshops, in teachings und seminaren unterwegs. In diesem Teil des Seminars durfte Dörte mal kurz verschnaufen und ein anderer hat präsentiert. In dem workshop ging es darum lokale Christen dazu aufzufordern den Ort an dem sie leben nicht als Strafe anzusehen sondern den Plan Gottes drin zu erkennen. Die kulturellen Unterschiede zwischen Christen aus dem Hochland und der muslimischen Mehrheitsbevölkerung in unserem Landesteil sind sehr gross. Ganz oft geschehen Missverständnisse die von den sehr unterschiedlichen Wertvorstellungen herrühren. 
Bis zum nächsten mal im Juli