Samstag, 6. August 2016

Training von Dorfgesundheitsentwicklern - from a land beyond the river

Beyond the river - Das Land hinter dem Fluss

Der Osten Kenias ist abgetrennt durch einen Fluss. Der Fluss Tana ergiesst sich nach etwa 1000 km vom Mount Kenya kommend bei der Insel Lamu in den indischen Ozean. Er wird damit zu einer geographischen, ethnischen und klimatischen Grenze.


Seit Monaten hat unser Team sich darauf vorbereitet, eine Gruppe von Menschen aus der Gegend hinter dem Fluss hier in Kijabe willkommen zu heissen. Letzten Sonntag, ab Nachmittag, kamen die ersten aus Garissa, nach 2 Tagesreisen bei uns an. Bis zum späten Abend waren alle 12 Teilnehmer angreist. 
Wie werden wir die kulturellen, religiösen Fettnäpfchen so geschickt umgehen, dass am Ende der Woche keiner beleidigt oder gekränkt nach Hause geht?
Viele haben für diese Woche gebetet, uns wurde das bewusst. Zumindest haben wir keine groben Schnitzer festgestellt während das Seminar lief. 
Die Teilnehmer kamen von einer der entlegentsten Gegend Kenias, trocken und unsicher durch die Grenznähe, Von dort ins zentrale Hochland Kenias, dorthin wo es keinen Hunger gibt. Der County hat sich den Slogan gegeben: "Willkommen zum County der voll ist mit Kartoffeln und Milch." 
Eine sagenhaft schöne und fruchtbare Gegend deren Charme schon die englischen Siedler verfallen waren.

 Interkulturelle Kommunikation



Die fleissigen Kikuyubauern trafen nun auf die Somalis die ihre Viehherden kennen und lieben. 
Für über 90 % der Menschen war es zum ersten mal, dass sie mit einem Menschen zusammenkamen, der Moslem ist, und dann noch Somali. Auf beiden Seiten waren für einige Zeit die Kinnläden nach unten geklappt, weil vieles sich so undenkbar anhörte, wie eine Fabel aus einer anderen Welt.
Beide Seiten waren sich begegnet, Weltsichten wurden kräftig durcheinandergerüttelt, Wertschätzung für den anderen wurde zum Ausdruck gebracht. 




Die Teilnehmer von der Region hinter dem Fluss staunen über die Strukturen, die Entwicklung erst möglich machen. Die anderen sind fast traurig über die Rückständigkeit des Landes hinter dem Fluss, einer ganzen Region die insgesamt wohl ein Viertel des Landes ausmacht. Keine Teerstrassen, immer wiederkehrende Hungersnöte und viele andere Kalamitäten sind nur ein Asudruck einer 50- oder mehr jährigen Ausgrenzung des, wie es bis heute noch manchmal genannt wird, ehemaligen Northern Frontier District.

County Regierung

Seit etwa 3 Jahren wächst die Hoffnung auf eine Art semi-autonome Selbstverwaltung durch die Einführung des County Regierungssystems, gestaltet nach dem Vorbild des federalen Systems wie es aus der USA oder der Bundesrepublik Deutschland bekannt ist. 
Korruption ist natürlich nach wie vor ein Thema, die Menschen scheinen aber eine gewisse Verbesserung in den verschiedenen Sektoren, wie z.B. Gesundheitsversorgung, zu empfinden.
Genau dazu gehört auch die Strategie der kenianischen Regierung, Community Health Strategy. 
In diesem Rahmen wurden unsere Gäste letzte Woche forgebildet. Regierungsangestellte, deren Aufgabe es ist, Freiwillige fit zu machen. Sie sollen mit offenen Augen in ihren Nachbarschaften die Gesundheitsversorgung auf den kleinsten Nenner bringen. 
Allerdings sind fast alle dieser Freiwilligen Analphabeten, waren nie in der Schule, Diese Ehrenamtlichen sind es, auf die die Regierung baut, um mit ihrer Hilfe die extrem hohe Kindersterblichkeit und unnötigen Verlust von jungen Müttern entgegenzuwirken. Unsere Herausforderung ist es, Leute wie die 12 von dem Land hinter dem Fluss zu trainieren, dass sie wiederum diese Ehrenamtlichen mit Information versorgen und mit Ideen inspirieren können. Vor allem aber brauchen sie Ermutigung, gegen die oft menschenverachtenden Traditionen anzugehen. 
Mit Fortbildungen wie diesen, statten wir die Trainer aus, dass sie wiederum ihre Leute trainieren können. 
Wir werden demnächst in das Land hinter den Fluss reisen, um zu sehen was die Teilnehmer aus ihren Plänen gemacht haben. 

Samstag, 16. Juli 2016

Gedenkgottesdienst - 4 Jahre danach

Austausch unter Kollegen

Das monatliche Treffen afrikanischer Christen in der Garissagegend war für uns eine perfekte Gelegenheit wieder in die umkämpfte Region einzureisen. Menschen die sich monatlich treffen um zu beten und Gott zu suchen. Diese Menschen, die seit Jahren trotz Unsicherheit dort arbeiten, wollen wir besuchen. Wir wollen sie kennenlernen, wollen von ihnen hören, mit ihnen beten, mit ihnen Herzen und Anliegen teilen. Sie kommen aus unterschiedlichen Organisationen, haben aber eine Sehnsucht gemeinsam. Sie wollen sehen und erleben, dass Menschen aus allen Nationen Jesus erkennen und ihn anbeten.
Ein junger Mann aus Burundi steht auf um zu predigen. Er hat sich als Kind gewundert, so erzählt er, warum er anders war als seine Geschwister. Erst Jahre später, als er zum ersten mal in Garissa war, und das kushitische Volk kennenlernte, wurde ihm klar dass Gott ihn sogar äusserlich auf seinen Dienst vorbereitet hat. Seine weichen krausen Haare und feinen Gesichtszüge unterscheiden ihn von den Bantuvölkern, die grosse Teile Afrikas dominieren. Er redet leidenschaftlich von einer Veränderung die sich anbahnt. Es sind Anzeichen die darauf hindeuten dass die Menschen weicher werden. Anne aus der Nairobigegend bestätigt das anschliessend, denn vor 15 Jahren, so sagt sie, war es für uns unmöglich mit einer Bibel durch die Strassen zu laufen. Jetzt werden wir nicht mehr mit Steinen beworfen, so wie früher. George aus dem Westen des Landes hat wahrgenommen dass der Respekt zugenommen hat. Vor einigen Jahren noch, wurde er mit Schimpfwörtern in der Klasse begrüsst, heute ist er überall der Mwalimu, der Lehrer. Selbst die Häuser öffnen sich für diese Kollegen, Leben wird geteilt. 
"Dann stimmt das also gar nicht was uns die Sheikhs und Imams in der Moschee erzählen", stellen einige der Schüler immer wieder fest, "ihr Christen seid gar nicht so böse, wie uns immer gesagt wurde". Diese Erkenntnis nimmt zu, dort wo gelungene interkulturelle Kommunikation stattfindet. Begegnungen zwischen Menschen und Kulturen machen den ganzen Unterschied, und das ist überall so.

Das Feld wird vorbereitet

Sinnbildlich gesprochen wurde auf diesem Feld wurde viel geackert, gearbeitet, Steine gelesen und gesät. Die Frucht jahrelanger, mühsamer Arbeit, selbst vergossenes Blut hat dazu beigetragen, dass heute die Atmosphäre anders ist als noch vor ein paar Jahren.
Leider ist vieles davon geflossen. Vor etwas mehr als einem Jahr an der berühmt gewordenen Universität, vor 4 Jahren in einer Kirche. Das waren die grossen international medienwirksamen Anschläge. Dazwischen noch die vielen kleineren Anschläge, die in keiner internationalen Zeitung erwähnt wurden. 
Am 1.Juli 2012 war es unsere Partnerkirche, in der an einem Sonntagmorgen während des Gottesdienstes durch Handgranaten und Feuer aus automatischen Waffen 17 Menschen ihr Leben lassen mussten und viele weitere verwundet wurden. 
Nun begab es sich so, dass ich mich gerade zum Jahrestag in der Stadt befand. Aus Gründen, die nicht ganz klar wurden, sagte der lokale Bischof als Gastredner ab. Mit weniger als einen Tag zur Vorbereitung wurde ich als Gastredner bestellt, ich war geehrt und sagte zu.

Meine Frau, ein Besucher aus Deutschland und ich sitzen auf den Ehrenplätzen während das Programm läuft. Die Stimmung ist ausgelassen, fröhlich, keine Trauer ist zu spüren. Das Leben geht weiter, muss weitergehen. Ging auch weiter, selbst am Sonntag nach dem Blutbad wurde Gottesdienst gefeiert. Davor haben wir grossen Respekt. Meine afrikanischen Geschwister sind nicht leicht einzuschüchtern. Sie sind zäh, lebensfroh und zeigen starkes Gottvertrauen.
Während ich über die afrikanische Resilienz nachdenke, strömen die Pressemitarbeiter zahlreicher Medienhäuser des Landes in die Kirche. Mit Strahlern wird die Kirche ausgeleuchtet, Kameras finden ihre Ziele. Politiker geben kurze Ansprachen über friedliche Koexistenz zwischen Christen und Muslimen und dass wir alle zusammenhalten müssen um Extremismus zu bekämpfen. Der Beifall schien wirklich von Herzen zu kommen. Jeder weiss dass Gewalt die ganze Region zu Boden zwingt. Friede ist ein hohes Gut und man lernt ihn erst schätzen wenn er rar geworden ist. Möge der Friede zunehmen in der Region. Mögen die zahllosen Anschläge entlang der Grenze ein Ende finden.
Wir sind uns einig mit den Bewohnern der Region und beten genau darum.

Nun war ja unser Ziel während der Reise dass wir quasi unter dem Radarschirm unterwegs sein würden. Der Plan wurde gründlich durcheinandergebracht als wir plötzlich von nationalen Kamerateams umgeben waren. Wir können nur planen, vieles ist ausserhalb unseres Einflussbereiches. Wir hoffen dass wir in Zukunft mit diesen Kollegen mit denen wir Zeit verbracht haben, unseren Dienst tun können.