Beyond the river - Das Land hinter dem Fluss
Seit Monaten hat unser Team sich darauf vorbereitet, eine Gruppe von Menschen aus der Gegend hinter dem Fluss hier in Kijabe willkommen zu heissen. Letzten Sonntag, ab Nachmittag, kamen die ersten aus Garissa, nach 2 Tagesreisen bei uns an. Bis zum späten Abend waren alle 12 Teilnehmer angreist.
Wie werden wir die kulturellen, religiösen Fettnäpfchen so geschickt umgehen, dass am Ende der Woche keiner beleidigt oder gekränkt nach Hause geht?
Viele haben für diese Woche gebetet, uns wurde das bewusst. Zumindest haben wir keine groben Schnitzer festgestellt während das Seminar lief.
Die Teilnehmer kamen von einer der entlegentsten Gegend Kenias, trocken und unsicher durch die Grenznähe, Von dort ins zentrale Hochland Kenias, dorthin wo es keinen Hunger gibt. Der County hat sich den Slogan gegeben: "Willkommen zum County der voll ist mit Kartoffeln und Milch."
Eine sagenhaft schöne und fruchtbare Gegend deren Charme schon die englischen Siedler verfallen waren.
Interkulturelle Kommunikation
Die fleissigen Kikuyubauern trafen nun auf die Somalis die ihre Viehherden kennen und lieben.
Für über 90 % der Menschen war es zum ersten mal, dass sie mit einem Menschen zusammenkamen, der Moslem ist, und dann noch Somali. Auf beiden Seiten waren für einige Zeit die Kinnläden nach unten geklappt, weil vieles sich so undenkbar anhörte, wie eine Fabel aus einer anderen Welt.
Beide Seiten waren sich begegnet, Weltsichten wurden kräftig durcheinandergerüttelt, Wertschätzung für den anderen wurde zum Ausdruck gebracht.
Die Teilnehmer von der Region hinter dem Fluss staunen über die Strukturen, die Entwicklung erst möglich machen. Die anderen sind fast traurig über die Rückständigkeit des Landes hinter dem Fluss, einer ganzen Region die insgesamt wohl ein Viertel des Landes ausmacht. Keine Teerstrassen, immer wiederkehrende Hungersnöte und viele andere Kalamitäten sind nur ein Asudruck einer 50- oder mehr jährigen Ausgrenzung des, wie es bis heute noch manchmal genannt wird, ehemaligen Northern Frontier District.
County Regierung
Seit etwa 3 Jahren wächst die Hoffnung auf eine Art semi-autonome Selbstverwaltung durch die Einführung des County Regierungssystems, gestaltet nach dem Vorbild des federalen Systems wie es aus der USA oder der Bundesrepublik Deutschland bekannt ist.
Korruption ist natürlich nach wie vor ein Thema, die Menschen scheinen aber eine gewisse Verbesserung in den verschiedenen Sektoren, wie z.B. Gesundheitsversorgung, zu empfinden.
Genau dazu gehört auch die Strategie der kenianischen Regierung, Community Health Strategy.
In diesem Rahmen wurden unsere Gäste letzte Woche forgebildet. Regierungsangestellte, deren Aufgabe es ist, Freiwillige fit zu machen. Sie sollen mit offenen Augen in ihren Nachbarschaften die Gesundheitsversorgung auf den kleinsten Nenner bringen.
Allerdings sind fast alle dieser Freiwilligen Analphabeten, waren nie in der Schule, Diese Ehrenamtlichen sind es, auf die die Regierung baut, um mit ihrer Hilfe die extrem hohe Kindersterblichkeit und unnötigen Verlust von jungen Müttern entgegenzuwirken. Unsere Herausforderung ist es, Leute wie die 12 von dem Land hinter dem Fluss zu trainieren, dass sie wiederum diese Ehrenamtlichen mit Information versorgen und mit Ideen inspirieren können. Vor allem aber brauchen sie Ermutigung, gegen die oft menschenverachtenden Traditionen anzugehen.
Mit Fortbildungen wie diesen, statten wir die Trainer aus, dass sie wiederum ihre Leute trainieren können.
Wir werden demnächst in das Land hinter den Fluss reisen, um zu sehen was die Teilnehmer aus ihren Plänen gemacht haben.
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