Geofrey versucht
auf die richtige Seite zu ziehen, scheint noch mit dem entgegenkommenden Fahrzeug
zu kommunizieren durch Lichthupe. Er zieht rüber und das Motorrad rauscht mit
unverminderter Geschwindigkeit auf uns zu. Vom Beifahrersitz beobachte ich die
Szene und sehe dass es in Bruchteilen von Sekunden zu einer Kollision kommen
muss. So als ob die göttliche Hand zwischen Auto und Motorrad gewesen wäre,
schmiert das Motorrad an der Stosstange ab und die zwei auf dem Motorrad
fliegen in hohem Bogen auf die andere Strassenseite. Als ob ich im falschen
Film wäre, sitze ich erstmal da und mach gar nichts. Als ich sehe dass die
beiden aus der sich senkenden Staubwolke aufstehen und sogar noch gerade laufen
können, öffne ich die Autotür und bin auch schon umgeben von anderen inzwischen
aufgelaufenen Fahrern und Schaulustigen. Die Spannung die in der Luft liegt ist
zum anfassen. Als einziger Weisser bin ich in dieser Situation in einer
vulnerablen Lage. Mein Kollege schiebt mich sanft aber bestimmt auf die Seite. Die
Polizei muss verständigt werden, am besten ist es wenn Kenianer unter sich eine
Lösung finden. Ein offensichtlich Fremder, der ich nun mal bin, kann schnell ein
Problem werden wenn die Emotionen zu hoch schlagen.
Die zwei jungen Männer
sind zum Glück nicht ernsthaft verletzt, dennoch muss das getan werden was
getan werden muss. Kurzer trip zum Krankenhaus, Röntgenbilder nur zur Sicherheit,
alles ok, ein paar Schrammen. Ein paar Stiche dort wo eine Wunde am Kinn etwas
klaffte.
Geofrey trug das
Kijabe Hospital T-shirt. Der Fahrer erzählt von seiner Mutter, die schon länger
krank ist und nicht weiss wo sie am besten behandelt werden sollte. Natürlich
wurden die Kontakte ausgetauscht. N
ächste Woche werden wir die Mutter des
illegalen Motorradfahrers besuchen und versuchen ihr zu helfen. Der junge Mann
war in jeder Hinsicht illegal unterwegs. Weder Führerschein noch Helm, keine
Versicherung und keine Reflektorweste waren Teil seiner Ausrüstung. Gute Gründe
um jegliche Schadensersatzansprüche sofort fallen zu lassen.
Was wurde nun aus
unserer Strasse? Die Strasse muss bis nach dem Ramadan warten. Vielleicht ist
dann der Strassenbauchef wieder bereit an seine Arbeit zu gehen.

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