Samstag, 25. Juli 2020

Seelsorge für Seelsorger

In einen meiner blogs erwähnte ich dass das Thema Seelsorge in dieser besonderen Zeit besonders wichtig wird. Ziemlich zu Beginn der Coronakrise waren wir sehr beschäftigt Lebensmittelrationen auszuteilen. Besonders dachten wir an lokale Missionare und Pastoren. Eine unserer Nachfolgeaktionen führte uns dazu uns um die mentalen Herausforderungen zu kümmern die diese Krise mit sich bringt.

Hier sind wir bei der Moderation unseres workshops: "How to cope with mental distress during corona". Die Schwerpunkte dieses workshops ist 'psychologische Erste Hilfe' in Krisenzeiten. 

Durch Rollenspiele werden die Teilnehmer animiert aktiv die Lerninhalte zu erarbeiten. Hier bin ich mit meinem Kollegen dabei einen Seelsorgefall zu demonstieren.  
Wir wussten anfangs nicht wie stark die Resonanz auf unser Angebot sein wird. Wir haben jetzt schon unseren dritten Tageskurs hinter uns und es gibt immer noch mehr die teilnehmen möchten. Wir freuen uns über viele positive Reaktionen. 

Wenn dann sogar noch ein Zertifikat von Kijabe dabei am Ende rauskommt hat sich die Investition auf jeden Fall gelohnt. Man kann sehen dass es den Teilnehmern so wie auch den Moderatoren richtig Spass gemacht hat und Beziehungen weiter gewachsen sind. 

Die beiden hübschen die mich hier flankieren sind die Gasteltern des Geländes auf dem wir die Seminare abhalten. In dieser Zeit muss auch hier mit vielen Vorsichtsmassnahmen gearbeitet werden. Maskenpflicht und Absegnung von der Administration sind erforderlich um solche und ähnliche Seminare durchzuführen. 

Hier bin ich dabei eine Andacht zu halten mit einer Methode die ganz schnell Partizipation hervorbringt. Auf ein flipchart wird der Bibeltext abgeschrieben und dann gemeinsam die wichtigen Themen herausgearbeitet. Hier ist es der Psalm 91 den wir besprechen. Der Text dient uns als Fundament um in Zeiten von Corona Angstfrei mit den Herausforderungen umzugehen. 

Dörte ist hier voll in ihrem Element. Sie liebt es mit den Teilnehmern aktiv Themen herauszuarbeiten und Denkprozesse anzustossen. Unser Viererteam, mit Geofrey und Louise, ist inzwischen gut eingespielt. 

Hier ist die 3. Gruppe von Teilnehmern, alles Pastoren von ganz verschiedenen Gemeinden. Manche sind immer noch nicht ganz davon überzeugt dass es Corona wirklich gibt. Aber auch hier trifft die Realität immer mehr die Menschen und es wird immer schwieriger die Tatsachen zu verleugnen. 

Der ältere Herr (der ohne Maske 😊 ) ist ein Vorbild für viele hier in der Stadt. Er lebt seit 40 Jahren in unserer Stadt und dient als Pastor. Vor einigen Jahren hat er eine Kugel in die Schulter abbekommen während sein Freund neben ihm im Auto durch einen Kopfschuss getötet wurde. Er hat die Verletzung gut überstanden und war überzeugt dass seine Zeit hier noch nicht zu Ende ist und hat sich entschieden zu bleiben und weiterhin dem Herrn hier zu dienen. 

Die aktuellen Covid Zahlen für Kenia: Heute sind die positiven Fälle nicht ganz so hoch wie die letzten Tage wo wir zwischen 600 und 800 Fällen pro Tag hatten. Am Montag wird der Präsident sprechen dann werden wir sehen wie die Regierung mit der Pandemie plant weiter umzugehen. Vieles ist noch sehr offen aber nicht anders also irgendwo sonst in der Welt. 
Hier ist meine Mutter, seit Anfang dieser Woche im Krankenhaus, mit noch unklarem Befund. Nach dem Verlust ihres Mannes im Februar hat sich ihr gesundheitlicher Zustand ziemlich verschlechtert. Am Montag werden wir hoffentlich mehr erfahren wenn die Testergebnisse zurückkommen. 
Bis bald, 








Samstag, 20. Juni 2020

Housewarming party und Fusswaschung

Gestern machten wir uns mit 2 Autos auf den Weg zu einer jungen Familie aus dem "modernen" Kenia.  Sie entschlossen sich als Missionare am Ende der Welt ein Haus zu bauen und dort in einem kleinen Dorf als Fremde zu leben. Die junge Frau die mit Dörte im Wasser des Tana Flusses steht hat erst vor 2 Monaten ihr zweites Kind bekommen. 

Wir stehen hier im Hof des neugebauten Hauses aus Stöcken und Lehm mit dem Gastgeber der Familie. Rashid ist der stellvertretende König des Stammes der Ilwana. Es war ein freundlicher Empfang, es half dass wir beide eine gemeinsame Sprache hatten die uns sofort verband. 

Obwohl ein Haus aus Stöcken und Lehm vielleicht nicht besonders haltbar zu scheinen mag ist dieses Haus ein echtes Schmuckstück. Die Innenwände sind mit Zement verputzt und ordentliche Türen sind eingebaut. Die Elektrizität wird durch Sonnenenergie gewonnen und mit einem Inverter auf 220 Volt umgesetzt dass selbst ein Kühlschrank damit betrieben werden könnte. Für die Dorfbewohner ist vieles von dem was die "neuen, die fremden" so tun, eigenartig und interessant. Man kommt zum schnuppern, redet über dieses und jenes und automatisch über Gott. Die Frage wird in vielstündigen Gesprächen bewegt: "wie kann ich wissen welcher Glaube der richtige ist?" Das Dorf ist komplett islamisch!

Vor etwa einer Woche bin ich mit meinen Freunden zu einer Familie gerufen worden deren Kind sich mit heissen Öl ganz furchtbar verbrannt hat. Als wir dort waren und für das Kind und die Familie beteten war eine dunkle Wolke über dem Haushalt. Das Gefühl von Schuld war spürbar und tiefer Schmerz. Wir legten Hände auf und beteten im Namen Jesu. Diese Woche war Dörte mit Kollegin dort um Mut zuzusprechen. Dieses mal war schon eine grosse Veränderung zu sehen. Lachen war wieder möglich, das Mädel konnte selber wieder laufen. 


Seit einigen Wochen ist Dörte mit einer kleinen Gruppe von Schwestern aktiv daran Frauen die im Dienst stehen Liebesdienste zu erweisen indem sie Verwöhnnachmittage veranstalten. Der Höhepunkt ist die Fusswaschung. Hier ist Dörte dabei einer Pastorenfrau die Füsse zu waschen. Diese biblische Handlung wird eingebaut in eine ganze Szenerie in der ein Bibliodrama hilft an die tieferen Ebenen des Herzens ranzukommen. Natürlich ist der Raum so geschmückt und dekoriert dass es fast ein Schockerlebnis für jeden ist der in den Raum tritt. Man ist nicht verwöhnt mit schönem, es ist vielfach ein sehr raues Leben. 

Ein raues Leben hat diese som familie hinter sich. Um die ganze Geschichte aufzuschreiben bräuchte ich mehrere Seiten. Ganz kurz skizziert für den Weltflüchtlingstag der heute ist. J., der in Skandinavien lebt bittet mich um Hilfe. Seine Kinder leben in unserer Stadt. Wir laden sie ein, sie fangen an ihre Geschichte zu erzählen. Aus einem ostafrikanischen Nachbarland flieht die Oma der Kinder nachdem die Mutter stirbt. Der Vater der Kinder hat sich zu Fuss Richtung Europa aufgemacht. Die Oma und die Kinder gelangen zu Fuss in ein Flüchtlingslager in Kenia, leben dort zwei Jahre lang. Eines Tages machen sie sich zu Fuss auf um in unsere Stadt zu kommen. Sie folgen den Viehirten mit ihren Herden und leben von Milch bis sie in die Stadt kommen. Sie kennen niemanden. Sie fragen nach bis sie jemanden aus ihrem Clan finden, der sie aufnimmt. Dort leben sie seit 5 Jahren ohne jegliche Papiere oder Status. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus einem durchschnittlichen Flüchtlingsschicksal. Dem Vater der Kinder wurden in Lybien Arme und Beine gebrochen aber irgendwie hat er es geschafft in den hohen Norden zu gelangen. Mal schauen wie es für diese Familie weitergeht. Das wichtigste im moment ist es das 15 jährige Mädchen vor einer Zwangsheirat zu schützen.