Montag, 10. Dezember 2018

Time to say good bye

November und Dezember in Bildern,

Eigentlich wollte ich noch im November einen blog posten. Das langsame Internet hat mich allerdings daran gehindert. So fasse ich den November und die verbleibenden Tage im Dezember zusammen. In wenigen Tagen fliegen wir für unseren Heimataufenthalt nach Deutschland, daher der Titel: it was time to say good bye to many precious friends. 


Kurz bevor wir unsere Tür in Garissa erst mal für einige Monate abschlossen, fand unser wöchentliches Treffen mit Kollegen und Freunden die ziemlich ähnlichen Fokus haben wie wir, noch mal bei uns im Haus statt. 
Dörte mit ihrer Freundin und Nachbarin Joyce, sie ist ein echter Haudegen und hat Humor, kocht gut und spielt gerne. Zusammen mit ihrem Mann leitet sie eine kleine Gemeinde hier in Garissa.

Gemeinde ist eines der Themen die wir im "cross-cultural" Kurs durchgesprochen haben. Eine Uni hier in Kenia spezialisiert sich darauf Allgemeinärzte auszubilden die in der Lage sind in jedem kulturellen Umfeld zu funktionieren und gleichzeitig missionarisch unterwegs zu sein. Dörte und ich hatten das Privileg eine Gruppe von 5 jungen Ärzten für eine Woche lang in diesem Bereich zu schulen. Warum sitzen wir auf dem Boden? Ganz einfach, so kann Gemeinde in vielen Orten Afrikas aussehen, unterm Baum im Kreis sitzend und Geschichten aus der Bibel praktisch umzusetzen. 

Hier ist die Gruppe von Ärzten beim Abschluss. Der junge Mann im blauen hoody ist Boaz aus Burundi, inzwischen  absolviert er schon sein kulturübergreifendes Praktikum bei uns in Garissa. Er hat schon so einige Schocks erlebt. Er fragt sich warum medizinisches Personal so wenig Interesse am Wohlbefinden der Patienten hat. Er wollte nach einer Woche schon ein Buch schreiben. Die blasse Frau neben Dörte kommt aus Moldawien und konnte mit ihrer osteuropäischen Sicht noch einen anderen Aspekt zum Thema Kultur beleuchten. 
Das Gebäude im Hintergrund ist ein gewagtes Bauwerk. Nicht nur das Gerüst sieht abenteuerlich aus. Am 1. Advent hatte ich dort gepredigt, zwar noch nicht im neuen Gebäude sondern in der Blechkirche die daneben steht. Der Ort ist etwa auf halbem Weg zwischen Nairobi und Kijabe mitten im grünen. Das erwartete Gemeindewachstum ist für deutsche Verhältnisse absolut phänomenal. 
Ebenfalls phänomenal finde ich wie die lieben kleinen von Kindergartenalter an auf akademische performance getrimmt werden. Hier waren wir zu einer Kindergartenabschlussfeier eingeladen. Unser Freund Pastor John und seine Frau hatten sich vor einigen Jahren entschieden zu adoptieren. Wir waren in dem Prozess durch Gespräch und Begleitung beteiligt. Praise, die kleine Tochter hat nun die erste Hürde auf dem langen Weg des lernens nun hinter sich und ich wurde damit geehrt dass ich für die Absolventen beten und sie segnen durfte.


Sehen sie nicht gut aus die jungen Männer? Der Bräutigam steht zwischen uns beiden im orientalischen Stil. Doch wo ist die Braut? So fragte kürzlich jemand als ich das Bild zeigte. Hier zeigt sich ein sehr starker Unterschied, die Braut taucht nämlich bei der Hochzeit gar nicht auf, erst ganz zum Schluss, wenn die Frauenparty zu Ende ist, kommt der Bräutigam und holt die Braut nach Hause. Die Geschlechtertrennung ist sehr stark ausgeprägt in dieser uns zwar inzwischen sehr vertrauten aber doch immer noch manchmal befremdlichen Kultur.


Mama Zahra taucht in diesem Blog nicht zum ersten mal auf. Sie ist ein echter Schatz. Sie ist auch die Direktorin von Simaho, einer lokalen Organisation die sich um Mütter kümmert und gegen die berühmt berüchtigte weibliche Genitalverstümmelung kämpft, fast 100% der Mädchen und Frauen in der Region durchleiden diese archaische Praxis die unsägliches Leid über die weibliche Bevölkerung bringt. Der Grund für die Feier war der Abschied von einigen amerikanischen Mädchen die hier ihr Praktikum für ihr Studium gemacht hatten. Die Kuchenschneide-zeremonie ist ein absolutes Muss und gleichzeitig eine Ehre. Dörte schneidet mit Mama Zahra während geklatscht und in Kisuaheli gesungen wird: kata keki, kata keki.


Letzte Woche hatten wir noch einen Kairos Kurs erfolgreich hinter uns gebracht. Der Kairos Kurs zielt darauf Christen auf ihren Auftrag in der Weltmission hinzuweisen. Das Anspiel zeigt wie wichtig alle Parteien sind, der der geht, der der sendet, der der gibt und die lokale Kirche so dass unerreichte Gruppen von Menschen für Jesus erreicht werden können. Nur wenn alle 4 Ecken gleichzeitig und koordiniert bewegt werden erreichen wir das Ziel. 

Manchmal führt das auch dazu dass ich mich so anziehe wie der lokale Imam und einen Gottesdienst so gestalte dass er einem Gottesdienst in der Moschee nicht unähnlich ist. Das dient dazu dass die Teilnehmer merken dass Gottesdienst das ist was innen vor sich geht und gar nicht viel mit dem äusserlichen zu tun hat. 
Nach intensiver Arbeit mit Lektionen die vom alten Testament zum neuen gehen, von Missionsgeschichte, hin zu dem was jetzt noch zu tun übrig geblieben ist. Herausfordernd viel Lesematerial und Gruppenarbeiten führen den Teilnehmer zu einer ganz neuen Sicht seines bisher gelebten christlichen Glaubens. Es macht immer sehr viel Freude Gruppen durch den Kairos Kurs zu führen und die Kronleuchter aufgehen zu sehen. Alleine hier in Kenia sind im Jahr 2018 mehr als 700 Personen durch diesen Kurs gegangen. Manche dieser Teilnehmer werden hoffentlich eines Tages bei uns in Garissa als missionarisch orientierte Christen arbeiten. 
Schon in wenigen Wochen dürfen wir bei einem Kairos Kurs in Velbert mitarbeiten. Darauf freuen wir uns schon. Bis demnächst dann aber aus Deutschland. 


Freitag, 26. Oktober 2018

Time is flying


Time is flying - die Zeit fliegt nur so dahin

Vor einigen Wochen rief mich die Dame in der Mitte an dass ich doch unbedingt mit ihr und einigen anderen nach Mado Gashi fahren sollte, das wären nur ungefähr zwei Stunden Fahrt und der neue Botschafter für Botswana von Kenia hätte dort seine Abschiedsfeier. Da unser Leben ja nicht aufregend genug ist habe ich zugestimmt und wir fuhren mit einer Autoladung voll los. Ich wusste nicht wirklich was mich erwarten würde aber als wir dann gegen 9 Uhr nachts ankamen verstand ich dass es um eine sehr grosse Sache ging. 9 Kamele und über 20 Ziegen wurden geschlachtet um dem ersten und bisher einzigen aus der hiesigen Gegend einen gebührenden Abschied zu geben bevor er seine Arbeit als Botschafter aufnimmt. 
Die Frau zur rechten ist die Parlamentarierin Dr. Sophia Abdi in deren Wahlkreis Dörte und ich im letzten Monat waren. Sie ist die erste und einzige weibliche Parlamentsabgeordnete im Nordosten Kenias. Die gesamte Führungsebene des Nordostens war dort vertreten und ich fand mich als einziger Weisser und bis auf den 'County Commissioner' der einzige Christ auf dieser riesigen Party. Die Gäste wurden mit mehreren Flugzeugen und einem Helikopter eigens eingeflogen. 


Apropos fliegen: seit einigen Monaten gibt es einen Linienflugverkehr nach Garissa. 3 x die Woche wird unsere Stadt angeflogen und zu einem Preis der gar nicht so schlecht ist. Manchmal macht es sogar Sinn zu fliegen, z.B. wenn wir Besucher aus Kijabe bekommen die viel beschäftigt sind. Die fliegen morgens um 7:30 bei uns ein, um 8 sitzen wir beim Frühstück und eine halbe Stunde später kann die Arbeit beginnen. Dann haben wir den ganzen Tag Montag, den ganzen Dienstag und am Mittwoch früh um 7:45 gehts wieder in den Flieger zurück nach Nairobi. Das untenstehende Ticket zeigt Dörtes Rückflug nach Garissa nachdem sie eine ganze Woche lang einen  Kurs unterrichtete: Sharpening your interpersonal skills oder in deutsch etwa: wie Du besser werden kannst im Umgang mit dem anderen. 




 Und zwischendrin die Wasseruhr. Was hat die denn mit Mission zu tun? Ganz einfach, sie repräsentiert die täglichen Dinge die uns aufhalten unsere Arbeit zu tun oder Gelegenheit geben um Beziehung zu bauen. Je nachdem wie wir auf die ganz alltäglichen Dinge des Lebens schauen. Hier waren wir kurz davor um 70 Euro geprellt zu werden weil wir in einer relativ korrupten Gesellschaft leben. Lange Diskussionen und viel Geduld haben mich davor bewahrt übers Ohr gehauen zu werden.


Wir finden es wichtig auch in einer Kultur die Meilensteine nur wenig oder ganz anders markiert dennoch Zeichen zu setzen oder Abschnitte zu markieren. Geburtstagsfeiern sind in Afrika eher unüblich aber interessanterweise werden sie sehr geschätzt wenn man sie dann trotzdem organisiert und mit viel Wertschätzung auskleidet. Hier hat unser Kollege seinen Geburtstag - aber jetzt wo Du nachfragst, weiss ich gar nicht wie alt er eigentlich geworden ist. Ist auch völlig belanglos weil der Moment wichtig war und der Kuchen super schmeckte. 


Inzwischen sind schon recht viele Studenten der Garissa University durch unsere Hände gegangen. Das war jetzt die 3. Kohorte mit etwa 35 Partizipanten. Der Andrang nach unserem Angebot ist nach wie vor gross und wir planen den nächsten Kurs für Januar 2019. 


Small talk mit Kollegen und Teilnehmern am Rande der Urkundenverleihung. Wir freuen uns sehr an der engen und guten Zusammenarbeit mit der Uni, auch da wieder ein "einzig". Die einzige Universität im Nordosten Kenias, erst seit 2013 in Betrieb und 2015 wurde sie Zeugin einer der grässlichsten Massaker die Kenia je erlebt hat. Wir sind dankbar dass wir genau hier mithelfen können einen Unterschied machen zu können und Hoffnung säen wo sie aufs schrecklichste zerstört wurde. 


So viel wieder mal für diesen fast vergangenen Monat Oktober 2018