Samstag, 27. Februar 2021

Gesundheitstraining im Busch

Die vergangene Woche war sicher ein Höhepunkt für unser ganzes team. Am Sonntag abend kam per Flugzeug Verstärkung für unser lokales team aus Kijabe angeflogen. 3 Leute, einer mit viel Erfahrung im  Bereich Ausbildung von Menschen mit minimaler formaler Schulbildung. Jede Lektion muss auf einfache Weise erklärt werden. Teil des trainings ist eine Andacht, ein Gedanke für den Tag, den ich hier in einem mix von Somali, suaheli und english weitergebe. 

Die freiwilligen Gesundheitshelfer kommen aus verschiedenen Altersgruppen, Männer und Frauen. Auch sind verschiedene Stämme vertreten die in dem Einzugsgebiet zu finden sind. In nur wenigen Tagen entstand auch diese Woche wieder ein enges Vertrauensverhältnis das es uns möglich macht, auch ganz intime Dinge anzusprechen, wie z.B. Familienplanung etc. 

Zur traditionellen muslimischen Bekleidung gehört der Kofiya, das runde Hütchen, das gerne auch von Politikern getragen wird um zu zeigen dass sie zum muslimischen Glauben gehören. Im Bild trug ich den Hut nur fürs Foto. Im Hintergrund sieht man die ganz einfachen Gebäude mit grasbedeckten Dächern. 

Gemeinsames Essen ist überall wichtig. Als Teil unseres Programms sponsern wir natürlich auch das Essen was vor Ort gekocht wird. Man weiss nie genau was man vorfindet, aber hier kann man sehen dass es geschmeckt hat. Dass man mit den Fingern ist, versteht sich von selbst, allerdings sieht es fast so aus als ob Dörte hier einen Löffel reingeschmuggelt hat. 

Das besondere an diesem Ort war die Gegenwart von jungen kenianischen Missionarsfamilien. Uns freut besonders dass wir für diese mutigen jungen Leute eine Motivation waren, in ihrem Dienst weiterzumachen. 

Eine junge Teilnehmerin hat im Zuge des trainings von ihrem persönlichen Schicksal erzählt. Beim Thema "Komplikationen bei der Geburt" hörte sie plötzlich besonders genau hin. Denn ihr Kind das sie vor 7 Jahren entbunden hat ist nun schwer behindert. Es war weit und breit kein Arzt oder ordentliches Krankenhaus zu finden um ihr bei der Geburt zu helfen. 

Hier stehen wir vor ihrem schönen Haus das aus Stöcken und Stroh gebaut ist. Wir sahen nach ihrem Kind und hoffen dass durch Physiotherapie einiges an Hilfe gegeben werden kann. Es ist für uns immer wieder ein Herzschmerz wenn wir hören, durch welche Schwierigkeiten Menschen gehen müssen. Weil die Infrastruktur so schlecht ausgebaut ist und wie alte Traditionen den ohnehin schon geplagten Menschen so viel Leid zufügen. 
Wasser ist Leben. Obwohl der Tana Fluss nur wenige hundert Meter von den Dörfern entfernt liegt, ist sauberes Wasser in erreichbarer Nähe, ein sehr kostbares Gut. Einer unserer Kollegen, Jeremy aus Südkorea, hat durch die Unterstützung seiner Kirche, ein Wasserprojekt durchgeführt. Aus diesem Brunnen bekommen die Dorfbewohner sauberes Trinkwasser. Der weitere Vorteil ist der, dass der Zugang zum Wasser nun weit genug vom Fluss entfernt ist und somit die Gefahr, von Krokodilen in den Fluss gezogen zu werden, beseitigt. Über solche oder ähnliche Gefahren denkt man in Deutschland ja nicht nach, wenn der Wasserhahn aufgedreht wird. 
In diesem Sinne, haltet die Hygienevorschriften gut ein und mögen die Corona Einschränkungen bald der Vergangenheit angehören. 


 

Samstag, 23. Januar 2021

Abenteuerlicher Nordosten Kenias

 

Letzte Woche war es endlich soweit. Der lang erwartete Besuch der Kijabe Hospital Leitung war für Dienstag angesagt. Der freundliche Herr in der Mitte ist der Direktor dieser Afrika weit bekannten Institution. Von Berufs wegen Kinderchirurg und gleichzeitig der Chef von weit über 700 Angestellten und das Krankenhaus, das in seiner Grösse bei weitem die meisten Operationen in der ganzen ostafrikanischen Region durchführt. 
Die aufgehende Sonne die den Horizont durchbricht ist für uns alle ein Zeichen der Hoffnung in einer stressigen Zeit. Auf unserem campingtrip letzte Woche mit den Besuchern hat diese Szenerie vielen von uns nicht nur neue Kraft gegeben, auch Motivation weiter das beste für die Stadt und Region zu suchen. 

Eines der ersten Aufgaben, die das Besuchsteam erfüllen musste: ein Vorsprechen bei Regierungsvertretern. Wir kamen mit etwa 10 Leuten im Gesundheitsministerium an, was in etwa mit der gleichen Anzahl an Vertretern von der G-town Seite beantwortet wurde. Viele Versprechen wurden gemacht von der Regierungsseite. Unsere Erwartungen sind realistischer geworden im Verlauf der letzten Jahre. Wir sind dankbar für den Respekt den wir bei der Regierung haben. 

Wir liessen uns die Gelegenheit nicht entgehen, die Mediziner richtig einzuspannen. Im Dorf gab es höchst interessante Gespräche über Themen die sonst nur hinter vorgehaltener Hand besprochen werden. Verhütung, Familienplanung etc. waren Themen die sehr lebhaft diskutiert werden. 

Nach getaner Arbeit im Dorf ging es rauf auf einen kleinen Hügel, der den Tana Fluss und unsere Stadt überblickt. Dörte hatte Picknick gepackt und beim Essen erzählt der einheimische Fremdenführer wie noch vor einigen Jahren ihr Stamm gegen die angreifenden Somalis von der anderen Seite des Flusses als Scharfschützen geschossen haben. Auch wie die vergifteten Pfeile grossen Schaden bei den Angreifern verursacht haben. Jetzt aber leben sie friedlich, wenn auch nicht miteinander, so doch nebeneinander. 

Wasser ist Leben: wie oft sehen wir das hier so eindrücklich. Je näher man an den Fluss herankommt um so grüner und lebendiger wird es. Der Flusslauf ist mit satten Mangobäumen gesäumt, Affen keifen um die Wette, das Krokodil lässt sich gemächlich im Fluss treiben und die massigen Flusspferde finden ihre nächtliche Weide. Und nebenbei gibt es noch ein schönes Fotomotiv.

Die  Besuchergruppe nach einer fast durchwachten Nacht unter dem Sternenhimmel. Morgens früh ist der Himmel noch bedeckt, es ist sogar etwas kühl und angenehm. Die Besucher gehen mit einem reich gefüllten Korb an Erfahrungen und Eindrücken zurück nach Kijabe. Alle versprachen dass sie bald und regelmässig wieder zurückkommen wollen. 

Bild ohne Worte, einfach nur schön. Der Fotograf David, er arbeitet im internationalen fundraising, versteht es Situationen einzufangen. 

Die junge Frau lernten wir eines Abends kennen, wir waren in der Nachbarschaft Giraffen gucken, ein pickup truck fährt vorbei mit einer Frau am Steuer. Sie ruft uns in stark amerikanischen Akzent zu, ob wir verloren seien. Sie ist selber Somali, wuchs in Kanada auf, und arbeitet jetzt im Gesundheitswesen, ist aber auch begeisterte Farmerin. Die Freundschaft zu ihr ist immer mehr gewachsen, so dass wir diese Wochenende auf ihrer Farm in ihrem Camp "in-tent-city" verbringen konnten. Es sind einfache Zelte die sie hat, sie hat uns bewirtet und hat offenbar die Gemeinschaft sehr genossen. 

Auf dem Rückweg letzten Sonntag fuhren wir in eine Gruppe von Giraffen und diskutierten ob Giraffen nun Stimmbänder haben oder nicht. Der Fakt ist, sie haben keine, von daher hört man diese majestätischen Tier einfach nicht. Man kann umsomehr ihren graziösen Gang bewundern und wir können uns auch nach vielen Jahren noch nicht satt sehen an diesen schönen Tieren. 

Wir sind dankbar für eine wundervolle Zeit mit Besuchern, mit echten Ergebnissen und einem tieferen Zusammenwachsen als team.