Samstag, 16. Juli 2016

Gedenkgottesdienst - 4 Jahre danach

Austausch unter Kollegen

Das monatliche Treffen afrikanischer Christen in der Garissagegend war für uns eine perfekte Gelegenheit wieder in die umkämpfte Region einzureisen. Menschen die sich monatlich treffen um zu beten und Gott zu suchen. Diese Menschen, die seit Jahren trotz Unsicherheit dort arbeiten, wollen wir besuchen. Wir wollen sie kennenlernen, wollen von ihnen hören, mit ihnen beten, mit ihnen Herzen und Anliegen teilen. Sie kommen aus unterschiedlichen Organisationen, haben aber eine Sehnsucht gemeinsam. Sie wollen sehen und erleben, dass Menschen aus allen Nationen Jesus erkennen und ihn anbeten.
Ein junger Mann aus Burundi steht auf um zu predigen. Er hat sich als Kind gewundert, so erzählt er, warum er anders war als seine Geschwister. Erst Jahre später, als er zum ersten mal in Garissa war, und das kushitische Volk kennenlernte, wurde ihm klar dass Gott ihn sogar äusserlich auf seinen Dienst vorbereitet hat. Seine weichen krausen Haare und feinen Gesichtszüge unterscheiden ihn von den Bantuvölkern, die grosse Teile Afrikas dominieren. Er redet leidenschaftlich von einer Veränderung die sich anbahnt. Es sind Anzeichen die darauf hindeuten dass die Menschen weicher werden. Anne aus der Nairobigegend bestätigt das anschliessend, denn vor 15 Jahren, so sagt sie, war es für uns unmöglich mit einer Bibel durch die Strassen zu laufen. Jetzt werden wir nicht mehr mit Steinen beworfen, so wie früher. George aus dem Westen des Landes hat wahrgenommen dass der Respekt zugenommen hat. Vor einigen Jahren noch, wurde er mit Schimpfwörtern in der Klasse begrüsst, heute ist er überall der Mwalimu, der Lehrer. Selbst die Häuser öffnen sich für diese Kollegen, Leben wird geteilt. 
"Dann stimmt das also gar nicht was uns die Sheikhs und Imams in der Moschee erzählen", stellen einige der Schüler immer wieder fest, "ihr Christen seid gar nicht so böse, wie uns immer gesagt wurde". Diese Erkenntnis nimmt zu, dort wo gelungene interkulturelle Kommunikation stattfindet. Begegnungen zwischen Menschen und Kulturen machen den ganzen Unterschied, und das ist überall so.

Das Feld wird vorbereitet

Sinnbildlich gesprochen wurde auf diesem Feld wurde viel geackert, gearbeitet, Steine gelesen und gesät. Die Frucht jahrelanger, mühsamer Arbeit, selbst vergossenes Blut hat dazu beigetragen, dass heute die Atmosphäre anders ist als noch vor ein paar Jahren.
Leider ist vieles davon geflossen. Vor etwas mehr als einem Jahr an der berühmt gewordenen Universität, vor 4 Jahren in einer Kirche. Das waren die grossen international medienwirksamen Anschläge. Dazwischen noch die vielen kleineren Anschläge, die in keiner internationalen Zeitung erwähnt wurden. 
Am 1.Juli 2012 war es unsere Partnerkirche, in der an einem Sonntagmorgen während des Gottesdienstes durch Handgranaten und Feuer aus automatischen Waffen 17 Menschen ihr Leben lassen mussten und viele weitere verwundet wurden. 
Nun begab es sich so, dass ich mich gerade zum Jahrestag in der Stadt befand. Aus Gründen, die nicht ganz klar wurden, sagte der lokale Bischof als Gastredner ab. Mit weniger als einen Tag zur Vorbereitung wurde ich als Gastredner bestellt, ich war geehrt und sagte zu.

Meine Frau, ein Besucher aus Deutschland und ich sitzen auf den Ehrenplätzen während das Programm läuft. Die Stimmung ist ausgelassen, fröhlich, keine Trauer ist zu spüren. Das Leben geht weiter, muss weitergehen. Ging auch weiter, selbst am Sonntag nach dem Blutbad wurde Gottesdienst gefeiert. Davor haben wir grossen Respekt. Meine afrikanischen Geschwister sind nicht leicht einzuschüchtern. Sie sind zäh, lebensfroh und zeigen starkes Gottvertrauen.
Während ich über die afrikanische Resilienz nachdenke, strömen die Pressemitarbeiter zahlreicher Medienhäuser des Landes in die Kirche. Mit Strahlern wird die Kirche ausgeleuchtet, Kameras finden ihre Ziele. Politiker geben kurze Ansprachen über friedliche Koexistenz zwischen Christen und Muslimen und dass wir alle zusammenhalten müssen um Extremismus zu bekämpfen. Der Beifall schien wirklich von Herzen zu kommen. Jeder weiss dass Gewalt die ganze Region zu Boden zwingt. Friede ist ein hohes Gut und man lernt ihn erst schätzen wenn er rar geworden ist. Möge der Friede zunehmen in der Region. Mögen die zahllosen Anschläge entlang der Grenze ein Ende finden.
Wir sind uns einig mit den Bewohnern der Region und beten genau darum.

Nun war ja unser Ziel während der Reise dass wir quasi unter dem Radarschirm unterwegs sein würden. Der Plan wurde gründlich durcheinandergebracht als wir plötzlich von nationalen Kamerateams umgeben waren. Wir können nur planen, vieles ist ausserhalb unseres Einflussbereiches. Wir hoffen dass wir in Zukunft mit diesen Kollegen mit denen wir Zeit verbracht haben, unseren Dienst tun können.


Samstag, 25. Juni 2016

Juni 2016



Ihr lieben,
Ein Griff an die Wäscheleine- yeap, die Wäsche ist noch naß! Naja, das ist nichts Besonderes. Besonders ist nur, dass es der dritte Tag ist, nachdem wir sie aufgehängt haben und wir in Afrika leben. Da würde man das nicht erwarten. Ein Feuer im Kamin im Juni? Was wir von Deutschland hören, kann man sich das wohl an manchen Tagen nur wünschen. An besonderen Tagen gönnen wir uns das hier in Kijabe.
Die letzten Wochen könnte man die Überschrift geben: Dorfgesundtheit. Wir waren viel mit dem Communithy health team unterwegs. In zwei Dörfern haben wir die freiwilligen Gesundheitshelfer mit Grundwissen ausgestattet. Diese Dörfer liegen so ca 1Stunde Fahrt von Kijabe entfernt. Die Gegend ist fruchtbar, Tee, Kartoffeln, Mais und ausreichend Regen geben das täglich Brot auf den Tisch.
In dem Dorf A erziehen viele Mütter ihre Kinder allein. Nicht etwa, weil der Vater im Krieg umkam oder von einer Krankheit hinweggerafft wurde. Die Mütter können durch ihre Hände Arbeit in diesem fruchtbaren Land die Familie versorgen und Schulgelder aufbringen. Wenn dann der Mann im Haus nicht signifikant zu dem Unterhalt beiträgt, haben die Frauen nicht viel Geduldspuffer und setzten ihn auf die Strasse. So erzählen sie uns und wir staunen nicht schlecht. Im Unterricht wird es dann bestätigt als die Männer sagen, Jungs und Männer brauchen Unterstützung. Im Laufe so eines Seminars wächst die Gruppe zusammen und in diesem Dorf war es dann sehr schön zu beobachten, wie Frauen und Männer, jung und alt, gerne für ihr Dorf zusammenarbeiten wollen.



Wir haben mehrere Leute gefragt, warum interessiert es euch, ohne Bezahlung Kilometerweit zu laufen, kurze Lehreinheiten zu geben, euch mit kranken oder schwangeren Nachbarn zu beschäftigen und Aktionstage zu planen? Eine Witwe erzählte es so:

Ich war in meinem Teefeld als ich ein Motorrad kommen hörte. Das ist ungewöhnlich in meinem abgelegenen Haus und Feld. Als ich schaute sah es so aus als wäre es der Bürgermeister! Tatsächlich, der Bürgermeister stieg vom Motorrad und grüsste mich. Er erzählte von der neuen Gruppe für Gesundheitshelfern, die sie zusammenstellen wollen. Und dann sagte er, er wüsste von meinem Engagement für die Nachbarn und das Dorf und deswegen würde er mich gerne dabei haben! Das bedeutet, er hat gehört und gesehen, wo ich bisher geholfen habe. Es wurde wahrgenommen. Und ich werde für fähig gehalten bei so etwas mitzumachen. Ich habe mich so gefreut und kann jetzt mit einem offiziellen Stempel machen, was ich sowieso gerne mache: mich für meine Mitmenschen einsetzen!

Diese Seminare in den letzten Wochen waren ermutigend für unser ganzes Team. Zur Zeit sind wir an der Planung für ein Fortbildungskurs im Juli. Das Kijabe Community health team(Dorfgesundheit team) hat eine Gruppe von Angestellten der Regierung eingeladen für eine Fortbildung. Die 12 Leute kommen aus dem Nord Osten des Landes und arbeiten wirklich in sehr entlegenen Gegenden direkt an der Grenze zu Somalia. 10 sind Somalis, 2 sind ursprünglich von anderen Gegenden Kenias. Die meisten haben kein Zugang zu emails, d.h. wir müssen jetzt dieser Tage jeden einzelnen anrufen und ihnen sagen, sie sollen dicke Jacken und Pullover mitbringen!
Die Beziehungen aus diesem Seminar können dazu führen, dass wir diese Leute im Hinterland besuchen, um sie in ihren Fortschritten anzuspornen.


Wir haben gerade Besuch von einem jungen Doktor aus Deutschland. Er ist für ca 3,5 Wochen hier und fragt den Herrn viele Fragen. Es ist schön solch einen Besuch und die Energie der Jugend im Haus zu haben. Wenn er geht, kommt unser Sohn Joas Benjamin, was unser „mitten im Jahr Höhepunkt“ ist.

Seid herzlich gegrüsst mit der Erinnerung: das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft.(1Kor 4.20)